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Coaching für Mensch&Hund

Wenn die Verkehrsampel von Rot auf Grün wechselt

Innehalten am Lichtsignal
Mit dem Auto unterwegs zu sein, ist ähnlich wie im Kino zu sitzen. Vor allem, wenn es draussen viel zu beobachten gibt. Gerne warte ich an roten Ampeln, wenn diese sich vor einem Fussgängerstreifen befinden und wir an vorderster Position stehen. Sehr spannend jeweils, wenn Menschen mit Hunden am Rotlicht warten. 


Was Menschen und Hunde beim Warten tun
Es gibt unterschiedliche Varianten, wie Menschen mit ihren Hunden die Wartezeit überbrücken und wie sie dann gemeinsam losgehen. Fangen wir mit dem Hund an, der mit seinem Hinterteil kurz Bodenkontakt machen muss, nur um dann an der Leine weitergezogen zu werden, weil die Ampel auf Grün gesprungen ist. Meistens ist der Hund gedanklich noch mit der Sitzübung beschäftigt und verpasst dadurch, dass der Zweibeiner bereits den Fussgängerstreifen betreten hat. Der Hals des Hundes dehnt sich in die Länge und je nach Körpergewicht fliegt er wie ein «Flummi» hinter dem Menschen her. Der Gesichtsausdruck des Hundes spricht jeweils Bände.
Bei der nächsten Variante schaut es so aus, dass der Hund gerade einen Geruch am Boden untersucht, während das Lichtsignal auf Grün wechselt, und der Hund ohne Vorwarnung einfach mitgerissen wird. Wie wenn du gerade in deiner Tasche kramst, während du am Warten bist und unvermittelt an der Hand über eine Strasse gezogen wirst. 

Meine Vorstellung von Warten an der Ampel
Meine Lichtsignal-Highlights sind Menschen, die ihre Hunde nicht in eine bestimmte Position beordern, sondern deren Hunde einfach in der Ruhe neben ihnen stehen und warten. Oder Hunde, die sich selbst auswählen dürfen, welche Position für sie passend ist. Das sind dann meistens auch die Menschen, welche ihrem Hund sagen, dass sie in ein paar Sekunden losgehen werden. Wie schön für den Hund, mit-einbezogen anstatt ge-zogen zu werden.  

Heute morgen habe ich folgende Szene beobachtet
Die Szene von heute Morgen lief so ab, dass der Hund am Fussgängerstreifen für das Sitzen belohnt wurde. Aha, denke ich noch kurz, die kennen beide einen belohnungsbasierten und rücksichtsvollen Umgang. Ich notiere gedanklich einen Pluspunkt auf meiner Liste. Leider fiel dann vier Sekunden später der bedürfnisorientierte Teil voll ins Wasser, respektive auf die Strasse. An einer jener potenziellen Pinkelstellen mit Busch auf der gegenüberliegenden Strassenseite wollte der Rüde sich kurz olfaktorisch orientieren, wer vorher da vorbeigegangen ist. Gerade, als er sich zum Pinkeln in Position brachte, zack, Ruck an der Leine. Fast wäre er aus dem Gleichgewicht gekommen. Autsch, meine Halswirbelsäule hat gedanklich einen Knacks bekommen. Die des Hundes vermutlich auch.

Ein Keks alleine genügt leider nicht
Da kann sie den Keks an der Ampel auch in der Tasche lassen, wenn sich «belohnungsbasiert» darauf beschränkt, dem Hund eine Belohnung zu verabreichen, wenn er sich brav hinsetzt. Wenn gefühlt zehn Sekunden später die Bedürfnisse des Hundes an zweiter Stelle stehen, macht auch der Keks den Braten nicht saftiger. Das ist einzig für das Selbstbewusstsein des Menschen gut, weil der Hund seiner Sitz-Anweisung nachgekommen ist. Macht was her, wenn der Hund so brav neben einem warten kann.

Dein Hund, der Gedankenleser?
Für einen Hund ist es eine grosse Aufgabe, all den geheimen Gedanken und Vorhaben seines Menschen dauernd Folge zu leisten. Dieser geht unvermittelt los oder bleibt von einer Sekunde zur anderen stehen. Oder er wechselt ohne Ankündigung die Richtung. Und da der Hund an seinem Menschen festgemacht ist, hat er nicht viel Spielraum für eine eigene Bewegungsvariante. Hellsehen können sie noch nicht, auch wenn sie äusserst sensitiv unterwegs sind. Demzufolge macht es Sinn, den Hund in die zeitnahen Entscheidungen des Menschen miteinzubeziehen oder sie zumindest vorzuwarnen, was als nächstes passiert.

Ein Stadtspaziergang fordert Hund und Mensch einiges ab
Gerade in der Stadt, wo es so viel zum Erschnüffeln gibt, ist das Hundegehirn öfters derart abgelenkt, dass es nicht immer auf Empfang für die Anweisungen des Menschen ist. Ein Stadtspaziergang ist für einen Hund ein Geruchsteppich wie aus «Tausend und einer Nacht». Intensiv, spannend und voller Überraschungen für die Hundenase. Mein Vorschlag ist, mit deinem Hund eine Vereinbarung zu treffen: An den strategischen Schnüffelstellen darf er ausgiebiger verweilen, dafür die nächsten hundert Meter mit dir wieder entspannt an der lockeren Leine mitgehen.

Ich plädiere für einen achtsameren Umgang mit unseren Freunden auf vier Pfoten. Umso mehr, wenn die Leine am Hund festgemacht ist.

In diesem Sinne:

«Nimm die Ampel als Signal für Achtsamkeit im Umgang mit deinem Hund.»

 

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