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Eine kleine Ode an alle Hundeseniorinnen dieser Welt

La Grande-Dame, Princess Devi of Goldenfall
Devi, unsere Grande-Dame im Rudel. Seit nun bald 14 Jahren begleitet sie mich durchs Leben; als meine Freundin auf vier Pfoten, als mein blonder Seelenhund (wir haben auch noch braun und schwarz), als Miterzieherin unserer Welpen, als Gouvernante für die Jungspunte, als ruhender Pol in schwierigeren Zeiten, als Therapiehündin in meiner ergotherapeutischen Arbeit, als Assistentin in der Hundeschule.


Was soll ich sagen: unsere Grande-Dame eben. Devi, die Göttin. Ja, göttlich ist sie: manchmal göttlich komisch, manchmal auch göttlich nervig, wenn sie Raubvögel am Himmel verbellt, Katzenkot findet oder im Garten Krater buddelt. Meistens ist sie göttlich knuddelig und fast immer göttlich verfressen. Und auf jeden Fall göttlich liebenswert.

Devi, die Guezli-Prinzessin im Vollenweider
Alle mögen sie. Wo sie hinkommt, hat sie Freunde. Ich erinnere mich an unseren ersten Besuch im Café Vollenweider in Winterthur. Devi, ein süsses Welpenmädchen, wurde sofort zum Liebling des Servicepersonals auserkoren. Und das hat sich über all die Jahre so gehalten. Bei jedem Besuch eine freundliche Begrüssung mit mindestens zwei Vollenweiderguezlis für sie auf einem separaten Teller. Dieser Brauch wurde lustigerweise auch an neues Servicepersonal weitergegeben. Und jede hinzukommende Hundedame wurde in den Brauch miteinbezogen, in Form von mehr Guezlis auf dem Teller.

Stadtausflüge sind ihr Ding
Devi liebt Ausflüge in die Stadt. Sie kennt jede Bäckerei und jedes Café, wo wir mal Halt gemacht oder eingekauft haben. Und da mit zunehmendem Alter auch ihre Vorliebe für ein Häppchen steigt, machen wir relativ häufig Zwischenstopps. Etwas gezwungenermassen, wie ich zugeben muss, weil Devi sich situativ mit allen Vieren in den Boden stemmt und Richtung «Fresseria» guckt oder zieht, je nachdem wie kooperativ ich mich ihr gegenüber verhalte.

Devi, die Langschläferin
Devi ist unsere Langschläferin und Devi sei Dank übernehmen die jungen Hunde diese sehr angenehme Gewohnheit von ihr. Sonntagmorgen oder in den Ferien liegen sie alle über Kreuz im Bett – in unserem versteht sich – und lassen den Tag gemütlich angehen. Unter uns gesagt: Im Bett liegen sie auch an den Werktagen.

Und auch als Gouvernante hat sie Erfolg
Devi ist die souveränste unserer drei Hunde. Noch nie war sie in einen Streit verwickelt, noch nie hat sie ein Junghund angerempelt. Und für die Welpen war sie Mama und Lehrerin in einem. Sehr streng, sehr gerecht und sehr verspielt. Selbst im hohen Alter genügt ein Blick und die Junghunde nehmen respektvoll Abstand und eine leicht devote Haltung ein. Tja, wer`s hat der hat`s eben.

Devi, die Weg weisende
Devi hat mich durch einige Höhen und Tiefen begleitet. Ich staune manchmal, wieviel doch in 14 Jahren an Erlebtem Platz hat. Devi war der Auslöser, mich selbstständig zu machen als Ergotherapeutin. Sie fand die Klinikwelt nicht so prickelnd. Umso mehr die Arbeit im kleinen Rahmen in der eigenen Praxis.
Sie hat mich so vieles gelehrt: Geduld, genaues Hinschauen und Beobachten, Zufriedenheit, Achtsamkeit, Unvoreingenommenheit, Klarheit und vor allem vorbehaltlose Liebe.

Und die Endlichkeit vor Augen
Wenn unsere Hunde alt werden, führen sie uns vor Augen, dass das Leben endlich ist. Devi war bis vor kurzem recht fit für ihr Alter und ihre Grösse. Im vergangenen Jahr hatte sie eine grosse Operation und musste kürzlich auch noch einen Backenzahn der Tierärztin überlassen. Wir sorgen uns um unsere Tiere und hoffen, dass wir noch viel gemeinsame Zeit zusammen haben. Meine Strategie ist, mich jeden Morgen zu freuen, wenn mich drei Augenpaare erwartungsvoll anschauen und wir gemeinsam den neuen Tag beginnen. Jeden Tag mit unserer Seniorin als Geschenk zu sehen, mit Freude zu füllen und zu leben.
Die Zeit vergeht sowieso wie im Flug. Erst war Panda noch Pandörchen und Devi ihre Erzieherin. Leela, die Mittlere im Rudel, ist auch schon eine ältere Dame, obwohl sie sich öfters sehr teeniemässig präsentiert. Und auch an mir ist die Zeit nich spurlos vorbeigegangen. Drei Damen, ein Team. Was sag ich: Vier Damen, ein Team.

Beziehung wachsen und gedeihen
Beziehungen wachsen und gedeihen, verändern sich und bekommen immer mehr Tiefgang. Wir sind gemütlicher unterwegs, verweilen länger an spannenden Orten und geniessen einfach das Zusammensein. Devi schläft altersentsprechend viel und tief, manchmal so tief, dass ich mich auch schon sehr erschrocken habe. Was soll ich euch sagen: jedes Alter ist toll. Der Welpe ist toll und anstrengend, der Junghund ist toll und selbstständig, der erwachsene Hund ist toll und angekommen, der alte Hund ist toll und abgeklärt.

Ein erfülltes Hundeleben
Ich möchte keinen einzigen Tag mit meinen Hunden missen. Manchmal frage ich mich, ob das Leben, das meine Hundedamen führen, auch das Leben ist, das ihnen entspricht. Ob sie ausreichend ihre Bedürfnisse befriedigen können. Ob sie am Abend mehrheitlich zueinander sagen: «Das war wieder ein richtig schöner Tag, ich freue mich schon auf morgen.» Und wenn sie uns verlassen, auf ein Hundeleben zurückblicken, das sie sich zwar nicht ausgesucht haben, aber darin sehr zufrieden, erfüllt und glücklich alt geworden sind.

In diesem Sinne:

«Lass jeden Tag zu einem erfüllten Tag für dich und deinen Freund auf vier Pfoten werden.»

 

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