Posttraumatische Belastungsstörung - auch Hunde sind davon betroffen
Weiterbildung im Fachbereich Psychotraumatologie
Gerade bin ich von einer sehr spannenden Weiterbildung im Fachbereich Psychiatrie zum Thema «Psychotraumatologie» nach Hause gekommen und habe viele wertvolle Inhalte, Inputs und Erkenntnisse mitnehmen können; sowohl für meine ergotherapeutische Arbeit mit Menschen als auch für meine Arbeit als Mensch-Hund-Coach.
Gerade bin ich von einer sehr spannenden Weiterbildung im Fachbereich Psychiatrie zum Thema «Psychotraumatologie» nach Hause gekommen und habe viele wertvolle Inhalte, Inputs und Erkenntnisse mitnehmen können; sowohl für meine ergotherapeutische Arbeit mit Menschen als auch für meine Arbeit als Mensch-Hund-Coach.
Fachwissen über PTBS als Grundlage in der Arbeit mit betroffenen Menschen
Wer sich bereits mit Trauma befasst hat, kennt den Begriff der posttraumatischen Belastungsstörung (kurz: PTBS). Vermutlich hast du auch schon von Hunden gehört, die als PTBS-Assistenzhunde ausgebildet werden. Auch als Ausbildnerin von PTBS-Assistenzhundeteams weiss ich, wie wichtig es ist, ein gut fundiertes Wissen über Trauma, Traumaentstehung und Traumaverarbeitung zu haben. Rein kynologisches Fachwissen ist bei weitem nicht ausreichend, um ein Team fachlich kompetent zu begleiten.
Auch Hunde erfahren Traumatisierungen
Sehr interessant ist für mich zudem, den Fokus vom Menschen weg auf traumatisierte Hunde zu richten. Das war nicht Inhalt der Weiterbildung, machte mir aber einmal mehr bewusst, dass Traumatisierungen beim Hund sich sehr ähnlich auf deren Erleben und deren psychische und physische Gesundheit auswirken wie beim Menschen.
Was es bedeutet, einen traumatisierten Hund zu adoptieren
Um an dieser Stelle beim Hund zu bleiben: Viele Hunde, die aus dem (Auslands-)Tierschutz kommen, tragen traumatische Erlebnisse davon und bringen in der Folge einen oft sehr schweren Rucksack mit in ihr neues Leben.
Um an dieser Stelle beim Hund zu bleiben: Viele Hunde, die aus dem (Auslands-)Tierschutz kommen, tragen traumatische Erlebnisse davon und bringen in der Folge einen oft sehr schweren Rucksack mit in ihr neues Leben.
Verhaltensweisen oder Verhaltensreaktionen traumatisierter Hunde sind für die Menschen, welche einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren, sehr oft nicht einzuordnen oder vorauszusehen.
Wie sich ein Trauma bei deinem Hund zeigen kann
So reagieren Hunde im Traumaschema zum Beispiel mit Flucht, Einfrieren oder Angreifen. Viele dieser Hunde «helfen» sich auch, indem sie stereotype Verhalten ausführen, wie im Kreis drehen, Pfoten lecken oder Körperteile benagen. Das sind sogenannte dysfunktionale Bewältigungsstrategien. Oder sie ziehen sich ganz zurück und fliehen in ihre eigene Innenwelt. Diese Hunde reagieren kaum auf Kontaktaufnahme durch ihre Menschen.
Auch Retraumatisierungen sind möglich
Es gibt oft auch eine grössere Anzahl von Triggern, die den Hund in Angst, Panik und Schrecken versetzen. Da der Mensch die Trigger zu Beginn nicht kennt, kann er den Hund im Vorfeld nicht gezielt unterstützen. So kann es passieren, dass der Hund in bestimmten Situationen retraumatisiert wird.
Das Thema Autofahren, wenn der Transport deinen Hund traumatisiert hat
Wenn man einen Hund aus dem Tierschutz übernimmt, haben diese nicht selten auch lange, sehr belastende Transportfahrten hinter sich. Das kann zur Folge haben, dass jede Autofahrt in der neuen Familie für den Hund zu einer Retraumatisierung führt.
Erwartungen der Menschen an den Hund, dass er an ihrem Alltag teilhaben soll, scheitern oft an der Tatsache, dass Autofahren mit diesem Hund nicht möglich ist oder zumindest nicht in den ersten Wochen oder gar Monaten.
Die lange Reise in die neue Heimat ist mit vielen Belastungen verbunden
Darüber sollte viel mehr aufgeklärt werden. Die Hunde reisen oft in engen Boxen ohne Angewöhnung über viele Stunden in ihr neues Leben. Zu ihrem eigenen Stress bekommen sie zusätzlich den ganzen Stress der anderen Hunde mit. Auch Blase und Darm können sie während der langen Reisezeit nicht entleeren, ausser in der engen Box.
Ich denke, du kannst dir vorstellen, wie schwierig möglicherweise alle zukünftigen Autofahrten für den Hund und seine Familie werden können. Und wie belastend für alle Beteiligten: für den Hund, wenn er trotz heftigen Ängsten immer wieder ins Auto muss, und für die Menschen, die sich ihr Leben mit Hund so gänzlich anders ausgemalt haben.
Auch eine unprofessionelle Übergabe kann zum Trauma werden
Am Übergabeort angekommen, werden die Hunde an für sie wildfremde Menschen übergeben und an einen fremden Ort gebracht. Auch das ist ein sehr traumatisches Erlebnis, selbst wenn sie von den neuen Hundebesitzern sehnlichst erwartet und (leider öfters!) überschwänglich begrüsst und geknuddelt werden. Da stehen sich zwei völlig unterschiedliche Ausgangslagen diametral gegenüber.
Bist du bereit, deinen Hund in dieser schwierigen Anfangsphase zu begleiten?
Ich möchte damit nicht vermitteln, dass man keinen Hund aus dem (Auslands-)Tierschutz adoptieren soll, ganz und gar nicht. Aber man sollte sich zwingend mit der Möglichkeit auseinandersetzen, dass diese Hunde mit «Migrationshintergrund» nicht selten eine längere Integrationszeit in ihr neues Leben benötigen. Und man sollte sich ganz ehrlich die Frage stellen: «Kann ich mein Leben so einrichten und meine Erwartungen in Grenzen halten oder gar herunterschrauben, damit der neue Hund eine reelle Chance hat, sich einzuleben und zurechtzufinden.»
Wenn dich das Thema 'Trauma bei Hunden' interessiert und du mehr über die posttraumatische Belastungsstörung bei Menschen und Hunden erfahren möchtest:
(Autorin: Tierärztin Maria Hense, 2020 0922)
In diesem Sinne:
«Sei deinem Hund die Stütze, die er braucht, um seine Traumata zu überwinden.»
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