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Tiergestütztes Coaching bei einer Klientin mit einer Hundephobie

Fallbeispiel Hundephobie – tiergestütztes Coaching

Gerne möchte ich mit dir ein Fallbeispiel aus meiner Arbeit im hundegestützten Coaching teilen.

Frau Muster hat sich mit ihrem Anliegen an mich gewendet, weil sie ihre Angst vor Hunden gerne mit «therapieerfahrenen» Hunden in einem Coaching überwinden möchte.

Ausschlaggebend für ihre Entscheidung war der Wunsch ihrer Tochter nach einem eigenen Hund. Vermutlich war das nur noch der letzte Schritt, um endlich den Rubikon zu überqueren respektive sich ihrem Thema «Panische Angst vor Hunden» zu widmen. 

Wie so oft fängt die Angst mit einem negativen Hundeerlebnis an
An unserem Kennenlern-Termin ohne meine Hunde berichtet Frau Muster, dass sie als Kind von einem Hund gebissen wurde. Keine heftige Bissverletzung, nicht mehr als ein Kratzer, aber der Schreck sass nachhaltig tief. Der Hund hatte sie damals in die Ferse gezwickt, als sie davongerannt war. Bis die Besitzerin des Hundes den kleinen Terrier wieder angeleint hatte, waren gefühlt Stunden vergangen, auch wenn es vermutlich nur eine halbe Minute gedauert hatte.

Frau Muster beschreibt, dass diese Situation rückblickend mit einem Gefühl des totalen Kontrollverlustes einherging. Als Kind fühlte sie in diesem Moment Angst und Panik.

In der Spirale der Angst und der Vermeidung gefangen
Nach diesem Ereignis begann sie, draussen einen grossen Bogen um Hunde zu machen. Mit der Zeit wurde aus dem Bogen ein Meideverhalten, einhergehend mit starken körperlichen Symptomen. Allein schon Hundegebell in der Ferne oder die Erwartung, dass im Spaziergebiet ein Hund um die Ecke biegen könnte, rief bei Frau Muster heftige sympathische Stressreaktionen hervor. Frau Muster fing an, Gebiete zu meiden, wo sie auf einen Hund hätte treffen können.

Das war, kurz zusammengefasst, der Stand, als Frau Muster sich für das tiergestützte Coaching meldete. Ein sehr mutiger Schritt, der Frau Muster viel Überwindung abverlangte.

Wie ein tiergestütztes Coaching bei einer Hundephobie in der Praxis ausschaut
Im Folgenden schildere ich die Eckpunkte des tiergestützten Coachings. Um es gleich vorwegzunehmen: Frau Muster und ihre Tochter hüten heute ab und zu einen Ferienhund, weil es zeitlich nicht möglich ist, einen eigenen Hund zu haben. Dieses Vorhaben war für später fest eingeplant.

Einen sicheren inneren Ort erschaffen
Frau Muster war von Anfang an sehr motiviert, sich auf das Coaching einzulassen. Als erstes kreierte Frau Muster im Coaching für sich einen sicheren inneren Ort und verknüpfte diesen mit einem Gegenstand, den sie auf ihren Spaziergängen mit sich tragen konnte. Sie suchte eine Muschel aus, die sie an ihren inneren Ort erinnerte, wenn sie diese in die Hand nahm. Dadurch wurde neuronal das mit dem inneren Ort assoziierte positive Gefühl in ihr aktiviert. 

Durch Wissensvermittlung achtsam und abgestuft in das Hundethema einsteigen
Als nächsten Schritt sprachen wir allgemein über Hunde und deren Verhalten. Frau Muster konnte anhand der somatischen Marker wie beschleunigter Herzschlag, feuchte Hände, Kribbeln in den Armen, Kurzatmigkeit benennen, wo sie auf einer Stressskala gerade war. Mittels Atem- und Körperübungen sowie dem Abrufen ihres inneren sicheren Ortes gelang es Frau Muster, ihr System in der Situation wieder etwas zu beruhigen.

Ein weiteres wichtiges Element war, dass wir uns gemeinsam Bilder von unterschiedlichen Hunden in unterschiedlichen Situationen anschauten und besprachen. Danach folgten Videos über Hunde und deren Verhalten. So konnte sich Frau Muster kynologisches Wissen ohne direkten Hundekontakt aneignen, um dadurch mehr Sicherheit und Handlungsspielraum in späteren Hundebegegnungen zu haben.

Danach folgt Schritt für Schritt der praktische Teil mit den Hunden
Ein Meilenstein war dann für Frau Muster, mit einem meiner Hunde auf einen Spaziergang zu gehen. Wir gestalteten das Setting so, dass Frau Muster in einem für sie passenden Abstand hinter uns gehen konnte. Mit der Option, jederzeit aus der Situation auszusteigen. Der Hund war natürlich angeleint.

Im Anschluss an die Coachingeinheit erfolgte eine Evaluation und der von Frau Muster definierte nächste Lernschritt. Grundlage waren immer die somatischen Marker (siehe oben) und die Selbsteinschätzung von Frau Muster. Sie definierte, wann sie für den nächsten Lernschritt bereit war.

Nach einigen Therapieeinheiten konnten wir bereits parallel nebeneinander gehen, mit etwa zwei Meter Abstand zwischen ihr und dem Hund.

Ein weiterer Lernschritt war, dass wir aufeinander zugingen. Frau Muster konnte die Distanz vergrössern oder verringern, indem sie entweder uns als Mensch-Hund-Team mit dem vereinbarten Stopp-Signal auf Distanz hielt oder selbst wieder in die andere Richtung ging.

Das Einbeziehen eines Assistenzteams in den Prozess kann sehr sinnvoll sein
Im Folgenden luden wir ein Assistenzteam ein, das bestens ausgebildet war und meinen Part mit Hund übernahm. So konnte Frau Muster die Begegnungssituation mit einem angeleinten Hund auf Distanz auch noch mit einem fremden Team üben.

Frau Musters grösste Angst im Alltag war, dass ein fremder Hund auf sie zurennt. Auch dieses Setting schauten wir in mehreren Einheiten an und übten spezifische Massnahmen und Verhalten zuerst ohne Hund.

Später rief ich meinen Hund in Richtung von Frau Muster ab. Frau Muster gab mir ein Zeichen, wann ich den Hund stoppen sollte und wo es ihr noch wohl war.

Der grosse Moment: die Begegnung mit einem freilaufenden Hund
Dann kam der grosse Moment, wo sich Frau Muster getraute, sich mit einem meiner nicht angeleinten Hunde auf dem Hundeplatz aufzuhalten. Natürlich war ich immer dabei. Wir machten verschiedene Übungen, die Frau Muster Sicherheit vermittelten und ihr wieder das Gefühl von Selbstwirksamkeit gaben.

Zudem hatte sie die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Hunden zu interagieren. Zu Beginn war nur ein Hund auf dem Platz, aber schon bald war es möglich, dass wir uns mit allen meinen drei Hunden dort aufhielten. Frau Muster begann von sich aus, mit den Hunden zu interagieren, sie anzusprechen, zu rufen, zu streicheln und auch eine kleine Aufgabe zu lösen. Zu diesem Zeitpunkt waren ihr schon alle drei Hunde vertraut.

Ein weiterer Meilenstein: das Führen eines Hundes in einem Hundeauslaufgebiet und Besuche in einem Gruppenkurs
Als sie sich im Zusammensein mit meinen Hunden in diesem geschützten Rahmen sicher fühlte, gingen wir auf Spaziergänge, bei denen sie selbst eine der Hundedamen an der Leine führte. Zuerst in Gebieten, wo es wenig andere Hunde gab, und nach einiger Zeit sogar in Hundeauslaufgebieten, wo wir auf mehrere Menschen mit ihren Hunden trafen. Wer selbst einen Hund hat, kennt sicher die Situation, in denen ein fremder Hund zum Begrüssen kommt.

Auch in meinen Mensch-Hund-Kursen in der Hundeschule war sie einige Male als Begleiterin dabei und konnte die Erfahrung machen, sich in einer geführten Hundegruppe aufzuhalten und sich sogar sicher und wohl zu fühlen.

Unbedingt Managementmassnahmen für den Ernstfall einüben
Wir haben zudem Managementmassnahmen für den Ernstfall eingeübt. Das zu beschreiben würde hier den Rahmen sprengen, ich erläutere es bei Interesse aber sehr gerne. Ein Training ohne Managementmassnahmen ist zum Scheitern verurteilt, weil man im Alltag draussen Situationen antrifft, in denen man schnelle Entscheidungen treffen muss ohne gross darüber nachzudenken.  

Was sind die Voraussetzungen für ein gelingendes tiergestütztes Coaching
Die tiergestützte Arbeit verlangt sehr viel Achtsamkeit auf beiden Seiten, sowohl bei der Klientin als auch beim Coach. Ein wichtiger Aspekt war, dass Frau Muster jederzeit die Kontrolle über die Situation innehatte. Das bedingt unter anderem, dass die eingesetzten Hunde sehr zuverlässig mit ihrem Menschen zusammenarbeiten und der Coach oder die Therapeutin über eine hohe kynologische Fachkompetenz mit Hunden verfügt und sie ihre eingesetzten Hunde bestens kennen. 

An dieser Stelle schliesse ich hier gerne den Kreis und freue mich, dass Frau Muster heute mit Freude mit ihrem Ferienhund im Alltag unterwegs ist.

Wenn dich meine tiergestützte Arbeit interessiert, schau gerne hier vorbei:

https://www.beakoti.ch/index.php/angebot/angebot-persoenlichkeitsentwicklung

In diesem Sinne:
 

«Deine Angst hinter dir zu lassen macht dich innerlich frei und deine Welt strahlender

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