Skip to main content

Co-Regulation bei deinem Hund – wie funktioniert das?

Der Begriff der Co-Regulation kommt aus der Humanpsychlogie/Psychotherapie und wird unter anderem in der Traumaarbeit verwendet. 

Co-Regulation heisst, deinem Hund Support zu geben, wenn es schwierig wird
Co-Regulation bedeutet, dass ein Lebewesen in einer Situation, in der es starke Gefühle der Erregung oder Angst empfindet, nicht alleine gelassen wird, sondern jemand es darin unterstützt, sein System zu regulieren. Gerät ein Lebewesen in eine bedrohliche Situation und verfügt (noch) nicht über ausreichend Coping-Strategien, wird sein vegetatives Nervensystem anspringen.

Ein Lebewesen hat vier Möglichkeiten, auf Bedrohung zu reagieren: mit Flucht, mit Kampf, mit Einfrieren/Erstarren oder mit Flirten, engl. Fiddle About. 
Hat das Lebewesen in einer bedrohlichen Situation niemanden, der ihm beisteht oder unterstützend die Hand reicht, kann das eine sehr traumatische Erfahrung sein. 

Co-Regulation bedeutet nicht, für ein Lebewesen – hier spezifisch für den Hund – alles zu übernehmen oder alles für ihn zu regeln, sondern ihn so weit zu unterstützen und dementsprechend emotionalen Support zu geben, dass er immer mehr in Richtung Selbstwirksamkeit wachsen und autonom handeln kann. 

Zur Veranschaulichung gebe ich ein erstes Beispiel
Dein Hund fühlt sich in Hundebegegnungen unwohl, wenn der andere Hund frontal auf ihn zukommt. Deinen Hund hinzusetzen und ihn zu bitten, dir tief in die Augen zu schauen, ist mit Sicherheit kein co-regulatives Verhalten von dir, weil dein Hund keine Strategie lernt, die er auch ohne dich anwenden kann. Zudem ist ein Blick in die Augen seines Menschen mit Sicherheit kein funktionales Alternativverhalten, sondern gehört in die Kategorie Ablenkung.

Co-Regulation in diesem Fall wäre, mit deinem Hund einen Bogen zu gehen, also erst einmal mehr Distanz zum Angstauslöser herzustellen. Bogen gehen kann dein Hund mit der Zeit auch allein, was zudem ein sehr höfliches hündisches Verhalten ist. Somit hat dein Hund eine Copingstrategie gelernt, die er anwenden kann und erlebt sich als selbstwirksam. 

Noch ein weiteres Beispiel zu Veranschaulichung
Dein Hund sieht auf einer Weide Kühe und findet die so richtig gruselig. Anstatt ihn an der Futtertube hängend vorbei zu manövrieren, machst du mehr Distanz, bietest deinem Hund deine Nähe an, und ihr schaut in Ruhe den Kühen zu. Du co-regulierst, indem du deinem Hund ermöglichst, durch mehr Abstand ein funktionales Verhalten ausführen zu können: das Hinschauen zu den nun nicht mehr so gruseligen Tieren auf der Weide. 

Nehmen wir die Szene vorherigen Blog: «Da muss er jetzt durch, sonst wird er immer mehr Angst haben!» 
Es geht darin um den kleinen Hund, welcher im Fang eines anderen Hundes Todesangst erlitten und schwere Verletzungen davongetragen hat.

Anstatt den kleinen Hund ganz allein stehen zu lassen und ohne ihn weiterzugehen, wäre ein co-regulatives Verhalten der Besitzerin gewesen, an seiner Seite zu bleiben und ihm so viel Schutz und Support zu geben, wie er aktuell noch benötigt. 

Co-Regulation führt richtig angewendet und verstanden hin zu mehr Selbstständigkeit, zu grösserer Selbstwirksamkeit und zu einem funktionalen Alternativverhalten, das der Hund mit der Zeit ohne deine Unterstützung anwenden kann. 

In diesem Sinne:
 

«Schenke deinem Hund soviel Co-Regulation wie nötig, damit er innerlich wachsen kann»

  • Aufrufe: 1930