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Und bist du nicht willig, dann nehme ich ein «Hilfs»-Mittel

Was ist die Biophilie-Hypothese?
Die Biophilie-Hypothese von Edward O. Wilson (1984) besagt, dass Menschen ein ihnen innewohnendes Bedürfnis, eine angeborene Eigenschaft haben, sich mit anderen Lebewesen und mit der Natur zu verbinden. Wir empfinden eine tiefe Sehnsucht, eins zu sein mit der Natur.

Der Begriff «Biophilie» kommt aus dem Griechischen und bedeutet: «Die Liebe zum Leben und zum Lebendigen». Diese Hinwendung des Menschen zur Natur und zum der Natur innewohnenden Leben erfasst den Menschen ganzheitlich auf allen Ebenen: kognitiv, emotional und körperlich.

Wenn wir mit unseren Haustieren in Kontakt sind, schütten wir Glückshormone aus. Wir empfinden ein Gefühl der Freude und verspüren eine innere Ruhe und Zufriedenheit. Sogar das Betrachten von zufriedenen und glücklichen Tieren auf Fotos lässt in uns ein Glücksgefühl entstehen.

Die Du-Evidenz in der Mensch-Tier-Beziehung
«Mit Du-Evidenz bezeichnet man die Tatsache, dass zwischen Menschen und höheren Tieren Beziehungen möglich sind, die denen entsprechen, die Menschen unter sich beziehungsweise Tiere unter sich kennen. (…) Worauf es einzig ankommt, ist die subjektive Gewissheit, es handle sich bei einer solchen Beziehung um Partnerschaft.»
(Greiffenhagen S., Buck-Werner O.N.; Tiere als Therapie, neue Wege in Erziehung und Heilung; Kynos Verlag 2007)

Sowohl die Biophilie-Hypothese wie auch das Konzept der Du-Evidenz gehen von der Annahme aus, dass Menschen und Tiere eine besondere und persönliche Beziehung zueinander haben.

Bindungstheorie und Spiegelneuronen in Beziehungen
Wir leben mit unseren Haustieren in einem Familienverband zusammen. Ich behaupte, dass nicht nur das Tier sich an den Menschen bindet, sondern auch das individuelle Bindungsverhalten des Menschen im Kontakt mit seinem Tier zum Tragen kommt.

Das Konzept der Spiegelneuronen besagt, dass wir uns emotional und mitfühlend in ein anderes Lebewesen hineinversetzen können. Spiegelneuronen sind Nervenzellen im Gehirn, welche uns ermöglichen, Empathie für ein Gegenüber zu empfinden, dessen Freude, aber auch dessen Schmerz und Leid wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren.

Haustier, Arbeitstier oder Nutztier, ein Unterschied für den Menschen?
Für mich sind natürlich alle Tiere eingeschlossen, die wir als sogenannte Nutztiere oder Arbeitstiere bezeichnen. Und Tiere, die eine Art Mittelposition einnehmen, wie Pferde, Ponys, Alpakas oder andere Tiere, die nicht direkt bei uns in der Wohnung leben, mit denen wir aber auch sehr enge Bindungen eingehen. Für mich macht diese unsinnige Unterscheidung in Haus-, Arbeits- oder Nutztier in meinem ethischen Verständnis bezüglich des Umgangs mit Tieren keinen Unterschied.

Grundrecht auf ein artgerechtes und glückliches Leben
Nun komme ich zur Kernfrage: «Wie ist es möglich, dass Menschen trotz Biophilie, Du-Evidenz, Bindungsverhalten und Spiegelneuronen anderen Menschen und Tieren so grosses seelisches, psychisches und körperliches Leid zufügen können? Jedes Lebewesen hat das Grundrecht auf ein glückliches Leben ohne Qual und Schmerzen.

Das Tierschutzgesetz erfüllt dieses Grundrecht auf ein schmerzfreies und artgerechtes Leben nicht!
Ich beziehe mich im Folgenden auf das Tierschutzgesetz, welches aus meiner Sicht für das Wohl und zum Schutz der Tiere stehen muss – und nicht zum Schutz der menschlichen Profitgier und Interessen.

Löffelgebisse und Overcheck bei Pferden sind erlaubt
Wie können Menschen behaupten, dass ihnen das Tierwohl wichtig ist, einem Pferd jedoch ein mit einem Metalllöffel versehenes Gebiss ins Maul hängen, welches die Zunge streckt, und damit bewusst in Kauf zu nehmen, ihm Schmerzen zuzufügen? Stelle dir kurz vor, wie du dich fühlen würdest, wenn du einen Metalllöffel im Mund hättest, der deine Zunge nach unten drückt, sobald du den Kopf etwas anheben möchtest. Deine Zunge wird mit der Zeit gefühllos und kalt, da nicht mehr gut durchblutet. Und auch jene Foltermethode im Trabrennsport, genannt «Overcheck», welche den Kopf des Pferdes in eine starre Haltung zwängt, ist weiterhin erlaubt.

Wer sich solche Folterinstrumente ausdenkt, muss sadistisch veranlagt sein
Da stellt sich mir die Frage, wer sich so etwas überhaupt ausgedacht hat. All diese sogenannten verharmlosten «Hilfs»-Mittel, welche an Tieren angebracht werden, erinnern mich an den Schulunterricht zum Thema mittelalterliche Foltermethoden. Ich dachte, diese Folterwerkzeuge gehörten der Vergangenheit an – zumindest in unserer sogenannt aufgeklärten und zivilisierten Gesellschaft. Wenn der Mensch keine andere Möglichkeit mehr hat, weil er unfähig ist, mit einem Tier auf einer freundlichen und dem Tierwohl entsprechenden Beziehungsbasis zu interagieren, greift er zu brachialen Mitteln.

Wer dabei auf der Strecke bleibt, ist in jedem Fall das Tier. Was für ein Armutszeugnis für unser Land und für unseren Tierschutz, für die Menschen, welche das gutheissen und für die Menschen, welche ihren Tieren immer noch so viel Leid zufügen. Da schäme ich mich, Mensch zu sein.

 

In diesem Sinne:

«Möchtest du der beste Freund deines Tieres sein? Dann verhalte dich auch so.»

 

 

 

 

 

 

 

 

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