Ein Welpe ist eingezogen – Besuchersituationen von Anfang an entspannt gestalten
Dein neues Familienmitglied ist eingezogen. Nun möchten Verwandte und Freunde endlich den kleinen Prinzen oder die kleine Prinzessin auf vier Pfoten kennenlernen. Schliesslich haben sie mit dir mitgefiebert, sich all deine Geschichten über den Welpen und seine Wurfgeschwister angehört, die Fotos in den sozialen Medien geliked und deine Freude geteilt. Die Erwartungen sind entsprechend hoch.
Du hast einige Welpenratgeber gelesen und möchtest alles richtig machen, den Besuch gut gestalten und gleichzeitig deine Freunde nicht enttäuschen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den ersten Besuch?
Meine Empfehlung: Lass deinen Welpen in den ersten Tagen einfach ankommen. Nur du und gegebenenfalls deine Familie sollten mit dem kleinen Fellknäuel zu Hause sein. Keine Spaziergänge, keine Besuche bei euch und auch keine Ausflüge.
Wenn du nach einer Weile merkst, dass sich dein Welpe zunehmend wohlfühlt, euch bereits etwas kennt und du Lust auf Besuch hast, gilt es ein paar Dinge zu beachten.
Der Besuch kommt nicht für den Welpen
Die wichtigste Info: Der Besuch kommt NICHT wegen des Welpen, sondern wegen dir. Schreib dir diesen Satz ruhig auf einen Zettel und kleb ihn für dich an die Eingangstür.
Dein Welpe sollte nie das Gefühl bekommen, im Mittelpunkt zu stehen. Welpen sind von ihrer Persönlichkeit her sehr unterschiedlich: manche sind draufgängerisch und neugierig, andere eher zurückhaltend. Beides ist völlig normal. Hunde sind, wie wir Menschen, verschieden in Charakter, Temperament und Vorerfahrung.
Den Besuch im Vorfeld gut vorbereiten
Wenn du deinem Besuch vorab ein kleines Welpenbriefing gibst, ersparst du allen Beteiligten Stress. Wichtigster Punkt: Ruhe bewahren.
Wenn dein Welpe beim Eintreten eines Menschen in Begeisterungsstürme ausbricht, macht es Sinn, das Setting anders zu gestalten. Überlege dir das Management im Vorfeld gut – damit du nicht plötzlich mit einem gestressten, übermütigen oder ängstlichen Welpen konfrontiert bist.
Möglichkeiten je nach Temperament deines Welpen
- Lernt euch draussen im Garten kennen, das kann entspannend wirken.
- Gib dem Welpen etwas zur Beschäftigung, zum Beispiel einen Kong, eine Kausehne oder einen Schnüffelteppich. Wichtig: Er sollte diese Dinge auch ausserhalb von Besuchssituationen bekommen, damit sie kein Ankündigungssignal werden für «Besuch kommt».
- Zurückhaltende Welpen dürfen ignoriert werden – kein Blick, keine Ansprache, kein Kontakt.
- Die hohe, freudige Stimme sollte lieber anderen Situationen vorbehalten bleiben.
- Bei Besuch mit Kindern kann es sinnvoll sein, den Welpen mit Brustgeschirr anzuleinen. Auch das sollte nicht nur in dieser Situation geschehen.
- Bei sehr aufgeregten Welpen kann ein Welpengitter helfen, immer kombiniert mit etwas zum Schlecken oder Kauen. Sonst wird es schnell frustrierend für deinen Welpen.
Der erste Moment ist der spannendste
Du kennst es selbst: Wenn Besuch kommt, ist die Ankunft am aufregendsten – laute Stimmen, Umarmungen, Schuhe ausziehen, Jacken ablegen. Erst am Tisch wird es ruhiger.
Mach dir das zunutze: Lass deinen Welpen erst dazukommen, wenn alle sitzen und sich beruhigt haben. Dann kann er sich in Ruhe umsehen, Kontakt aufnehmen oder sich gleich wieder etwas anderem widmen. Bis dahin gibst du ihm eine Leckmatte oder eine Kausehne zum Beschäftigen.
Früh gelernte Emotionen schaffen Verknüpfungen
Der Spruch «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr» stimmt so pauschal nicht. Hunde lernen ihr Leben lang.
Aber: Was Hänschen emotional verknüpft, bleibt oft tief gespeichert. Wenn ein Welpe immer wieder erlebt, dass Besuch gleich Aufregung bedeutet, dann prägt sich das stark ein, besonders im sensiblen Welpen- und Junghundealter.
Das Problem dabei: Während alle süsse, aufgeregte Welpen mögen, finden die wenigsten aufgedrehte Junghunde sympathisch, die Besuchern an die Brust springen.
Was du für dich mitnehmen kannst
Wenn du dir einen höflichen Hund in Besuchssituationen wünschst, belohne bereits im Welpenalter Verhalten, das dir gefällt, zum Beispiel: alle vier Pfoten auf dem Boden, sich vom Besuch abwenden, ein anderes alternatives Verhalten zeigen oder von dir annehmen. So legst du früh die Basis für einen entspannten, sozial kompetenten Begleiter. Dein Welpe lernt von Anfang an, dass Besuch kein Ausnahmezustand, sondern ein ganz normaler Teil seines Alltags ist
«Was du heute mit Ruhe gestaltest, trägt morgen Früchte.»
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