Sein Mütchen kühlen auf Kosten anderer?
Sein Mütchen kühlen
Eine alte Redewendung, die in der Social-Media-Hochkultur nichts an Bedeutung verloren hat. Unzufriedene, gekränkte oder verletzte Menschen kühlen ihr Mütchen, indem sie andere kleinreden, verurteilen, beschimpfen, alles besser wissen und nur die eigene Meinung gelten lassen. Oft geschieht dies auf unschöne und respektlose Weise.
Denken? Nein! – Schreiben – klick und weg!
Wie einfach ist es doch: Man schreibt ein paar gehässige Zeilen oder schickt die eigene Sicht zu einem Post in die Welt, ganz egal, ob sie am eigentlichen Thema vorbeigeht. Jede noch so kleine Gelegenheit wird genutzt, um sich zu profilieren. Anstand und Respekt bleiben dabei schnell auf der Strecke.
Ein Klick auf «Senden» und schon fühlt man sich gestärkt in der eigenen kleinen Welt oder erleichtert, weil man endlich etwas loswerden konnte. Da das Gegenüber nur virtuell in Erscheinung tritt, braucht es keine Kommunikation auf Augenhöhe. Vermutlich ist das gar nicht erwünscht, die scheinbare Anonymität in den sozialen Medien ist willkommen.
Social Media sei Dank
Auch die menschliche Hundewelt, in der sich viele Meinungen und Ansichten tummeln, bietet eine perfekte Bühne für Selbstdarsteller, Mitläufer und Diffamierer. Lerntheoretisch betrachtet wäre dies eine negative Verstärkung: Das unangenehme Gefühl, das beim Lesen eines Posts entsteht, verschwindet kurzfristig dadurch, dass man die verantwortliche Person angreift. Für einen Moment weicht das unangenehme Empfinden und macht einem Gefühl von Erleichterung Platz.
In diesem Sinne:
«Echte Veränderung geschieht nicht durch Abwertung, sondern durch Dialog und Respekt.»
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