Skip to main content

Auf diese unsinnigen Regeln kannst du getrost verzichten

Räumliche Kontrolle und andere unsinnige Regeln
Es gibt so viele Regeln, die man einem Hund aufzwängen kann. So viele Anweisungen, die der Hund befolgen soll. So viele Befehle, denen der Hund nachkommen muss. So viele Rügen, wenn der Hund seinen Dingen nachgegangen ist. So viele unsinnige Massnahmen, wenn der Hund eine eigene Idee auf seine Weise umgesetzt hat.

Hauptsache, dein Hund schleicht hinter dir her
Neulich habe ich in einem Video einen Hund gesehen, der sprichwörtlich dem geschlagenen Hund aus einem Comic wie aus dem Gesicht geschnitten war. Die Sprechblase über dem Hund in etwa so: «grrmmmpff.» Kommentar im Video erklärend dazu: «Räumliche Kontrolle, der Hund geht nie vor mir her. Ich führe das Rudel, alle orientieren sich an mir.»
Klar war das «Vorher-Video» mit einem Leinen zerrenden Hund nicht toll zum Schauen. Trotzdem war da echt mehr Erkundungsverhalten drin, wenn auch eher unkontrolliert.
Aber im Ernst jetzt: «Weshalb soll mein Hund immer hinter mir gehen? Sind wir der König oder die Königin mit Hofstaat?»

Auch im Hunderudel hängt der Hundechef gern mal schnüffelnd ab
Nein, auch das mit dem Rudelführerding hält nicht, was es verspricht. Selbst in einem Hunderudel (Elterntiere und deren Junghunde) hängt der Chef mal hinten nach und schnüffelt die Grasbüschel ab, während die Jungen die Umgebung voraus erkunden. Auf keinen Fall würde er ständig hin und hergehen und die räumliche Kontrolle etablieren und einfordern.

In der Menschenhundewelt gibt es so viele absurde Theorien und Erziehungsmethoden
Ich frage mich gerade, ob es im Zusammenleben mit anderen Tieren auch so unzählige kuriose Theorien der Erziehung gibt wie im Zusammenhang mit Hunden?

«Die Liegeplatztheorie»
Bei der einen Theorie darf der Hund nicht höher liegen als der Mensch. Echt! Dann geh mal raus in die Welt und schau dir an, wo Strassenhunde gerne chillen: genau, auf erhöhten Liegeplätzen.
Meine Hunde dürfen so hoch oder so tief liegen, wie sie möchten, und respektieren mich trotzdem. Das mit dem Respekt beruht selbstverständlich auf Gegenseitigkeit.

Die «Rudelführer-isst-immer-vor-dem-Hund-Theorie»
Bei einer weiteren Theorie darf der Hund nie seinen Napf leeressen, bevor der Mensch sein eigenes Essen eingenommen hat. Er muss warten, bis alle anderen Bäuche gefüllt sind. Das geht sogar so weit, dass der Mensch demonstrativ vor dem Hund etwas isst, um seine Position zu festigen. Musst du auch gerade laut loslachen? Oder bleibt dir das Lachen im Halse stecken?
Was lernt der Hund dabei? Sich in Geduld zu üben und Hunger auszuhalten? Es gibt tatsächlich Menschen, die davon ausgehen, dass sie so ihre Rangordnung klären. Mensch, wenn du dazu noch bellst und knurrst, ist es nahezu perfekt.

Nie würde ich auf so eine absurde Idee kommen, um mich bei meinen Hunden einzubringen. Und sie müssen nicht gefühlte zehn Minuten vor ihrem Napf sitzen und mich anhimmeln, bis das Frei-Signal kommt. Mein Ego fühlt sich auch ohne solche Machtdemonstrationen auf Kosten der Hunde wohl genährt.

Die «Auf-Signal-Bedürfnisbefriedigungs-Theorie»
Es gibt sogar Hunde, die nur auf Signal pinkeln und koten dürfen. Oder nur auf Signal schnüffeln. Ich habe eine Regel beim Leinenlaufen, die heisst: «Wenn wir an der Leine zusammen von A nach B gehen, dann lass bitte für diese begrenzte Zeit das Schnüffeln sein.» Das ist für unser Zusammenleben eine soziale Konvention. Danach ist wieder Freigang angesagt und sie können nach Belieben rennen, wälzen, schnüffeln, buddeln und schreddern.

Wir haben positiv aufgebaute Signale und Übereinkünfte
Solltest du jetzt einwenden, dass meine Hunde orientierungslos und ungeführt sind, muss ich dir sehr widersprechen. Wir haben Signale, die positiv aufgebaut sind. Deshalb sind meine Hunde gerne bereit, das im Moment erwünschte Verhalten zu zeigen.
Und weisst du was? Sie dürfen sich sogar mehr als zehn Meter von mir entfernen, weil sie mich trotzdem noch auf dem Radar haben, und wenn ich sie rufe, mit Freude angerannt kommen.

Ich finde, es ist an der Zeit, die Hunde als das zu sehen und wertzuschätzen, was sie sind: «wunderbare Freunde und Familienmitglieder auf vier Pfoten, die so viel Freude und Reichtum in unser Leben bringen.»

In diesem Sinne:

«Rudelführertheorien und Machtdemonstrationen stammen aus einer längst vergangenen Zeit. Willkommen in der Gegenwart.»



  • Aufrufe: 1956