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Blinder Fleck, oder wie Hunde nichtbewusste Persönlichkeitsanteile ans Licht bringen

Kennst du das? Dein Hund reagiert in einer Situation immer wieder gleich. Und du verstehst nicht, warum. Du gibst di Mühe und bist überzeugt, ruhig und klar zu kommunizieren. Trotzdem zeigt dein Hund Stress, ist verunsichert und verhält sich anders, als von dir erwarte. Vielleicht liegt der Grund nicht beim Hund, sondern in einem Teil von dir, den du selbst nicht siehst. In der Psychologie nennt man diesen Bereich den Blinden Fleck. 

Das Johari-Fenster als Landkarte der Wahrnehmung

Das Johari-Fenster ist ein Kommunikationsmodell von Luft und Ingham, das Selbst- und Fremdwahrnehmung in vier Bereiche einteilt. Einer davon ist der sogenannte Blinde Fleck. Er beschreibt jenen Teil unseres Erlebens und Verhaltens, der für andere sichtbar ist, uns selbst jedoch nicht bewusst. Daneben gibt es die öffentliche Person, also das, was mir und anderen bekannt ist, den verborgenen Bereich, der mir bewusst, für andere jedoch nicht zugänglich ist, sowie den unbekannten Bereich, der weder mir noch anderen bekannt ist. Im Johari-Fenster geht es darum, diese Bereiche wahrzunehmen, bewusst zu machen und miteinander abzugleichen.       

Der Eisberg unter der Oberfläche

Alle bewussten und unbewussten Anteile in uns lassen sich auch gut mit der Eisbergmetapher beschreiben. Die öffentliche Person ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Der weitaus grössere Teil liegt unter der Oberfläche verborgen. Dazu gehört alles, was wir bewusst nicht von uns preisgeben, aber auch all das, was uns selbst nicht zugänglich ist. Der Blinde Fleck liegt dabei knapp unter der Oberfläche. Nah genug, um Wirkung zu entfalten, und doch oft ausserhalb unserer bewussten Wahrnehmung.   

Eine persönliche Erfahrung mit dem blinden Fleck

Vor einigen Jahren erlitt ich einen Hirnschlag. Als Folge davon hatte ich beidseitig einen blinden Fleck im oberen Quadranten meines Gesichtsfeldes, fachsprachlich eine Quadrantenanopsie. Menschen hatten plötzlich keinen Kopf mehr oder ich übersah Personen und Gegenstände, die sich in einer bestimmten Position zu mir befanden. Meine visuelle Wahrnehmung musste sich erst an diesen neuen Zustand anpassen. Mit der Zeit gelang es meinem neuronalen Netzwerk, die Bilder wieder zusammenzusetzen. Der blinde Fleck verschwand nicht einfach, sondern wurde integrierbar, weil er mir bewusst wurde.

Wiederkehrende Muster und fehlende Selbstwahrnehmung

Wir alle haben blinde Flecken, die uns daran hindern, genau hinzuschauen. Wir wiederholen Verhaltensmuster, geraten immer wieder in ähnliche emotionale Zustände und wundern uns, weshalb Menschen in bestimmten Situationen irritiert oder verärgert auf uns reagieren. Wenn wir bereit sind, uns auf Feedback und Kritik einzulassen, kann es gelingen, den Blinden Fleck in unser Bewusstsein zu integrieren. In der Folge verändert sich unser Handeln. Der Blinde Fleck wird öffentlich, zumindest ein Stück weit. 

Hunde als Bewusstsmacher unserer Blinden Flecken

Im Umgang mit unseren Hunden bekommen wir eine besondere Chance, blinde Flecken aufzuspüren. Hunde reagieren viel stärker auf das, was unter der Oberfläche wirkt, als auf das, was wir sagen oder bewusst zeigen wollen. Sie sind Meister darin, unbewusste Anteile sichtbar zu machen. Indem sie diese für uns erfahrbar machen, eröffnen sie einen Zugang zu den damit verbundenen Gefühlen und Emotionen. Wenn wir bereit sind, hinzuschauen und zu fühlen, können wir diese Anteile integrieren und kongruenter werden in unserem Fühlen, Denken und Handeln. 

In diesem Sinne:
 

«Blinde Flecken sind da, um entdeckt zu werden.»

 

 

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