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Schnelle Lösungen als Heilsversprechen

Wenn Menschen Hilfe suchen

Hast du für dich selbst schon einmal ein Coaching in Anspruch genommen, weil dich ein Thema in deinem Lebensalltag stark beschäftigt oder sogar eingeschränkt hat?
Vielleicht hattest du eine schwierige Zeit auf der Arbeit. Oder dein familiäres Umfeld hat dich so sehr beansprucht, dass du kaum noch schlafen konntest. Vielleicht war da der Wunsch, dich beruflich neu zu orientieren. (Bild Chat GPT, Text original bea koti)


Veränderung passiert nicht auf Knopfdruck

Ganz egal, um welches Thema es sich handelt: Lösungen entstehen nicht in einer einzigen Coachingsitzung. Vielleicht ist diese erste Sitzung ein Anstoss, deine Situation neu zu betrachten. Vielleicht motiviert sie dich, dich auf einen Veränderungsprozess einzulassen. Dass ein Problem nach dem ersten Termin wie durch eine Wunderheilung verschwindet, wage ich zu bezweifeln. Zumal es ja auch nicht über Nacht entstanden ist.

Menschen suchen meist erst dann ein Coaching oder eine Therapie auf, wenn ein Thema sie im Alltag emotional, auf der Handlungsebene oder in beidem blockiert.

Diese Erwartung gibt es auch im Mensch-Hund-Coaching

Im Mensch-Hund-Coaching erlebe ich oft etwas Ähnliches. Viele Menschen erwarten, dass sie beim ersten Treffen ein paar Tricks und Anweisungen erhalten, diese umsetzen und das Problem danach erledigt ist. In der Realität kommen die meisten mit einem ganzen Themenkomplex in die Beratung: Der Hund zerstört die Wohnung beim Alleinbleiben, lässt keine Besucher rein, frisst alles vom Boden und zieht auch noch an der Leine. Themen hängen oft auch zusammen: Eine zu hohe Erregungslage, der Hund kann nicht entspannen, er zerkaut die Sofakissen, um ein Ventil zu haben.

Warum das erste Treffen vor allem Beobachtung ist

Im Vorfeld erkläre ich jeweils, dass ich mir zuerst ein Bild von Mensch und Hund machen muss. Ich erfasse, wie sie zusammen unterwegs sind, welche Ausbildungsmethoden angewendet wurden, welches Fachwissen bereits vorhanden ist, welche individuellen Ressourcen da sind, wo das Problem auftritt und wo nicht und wie das Team generell im Alltag funktioniert. Das geschieht beim ersten Treffen.

Neutraler Ort statt Stresssituation

Sehr gerne treffe ich mich dafür an einem neutralen Ort für den Hund. Hat ein Hund Schwierigkeiten mit Besuch, findet das erste Treffen sicher nicht direkt in der Wohnung statt. Ich möchte nicht als Feindbild in eine Beratung einsteigen. Genauso wenig muss ich live miterleben, wie ein Hund einen Menschen an einer Ressource anknurrt. Mir ist es wichtiger, Hund und Mensch zuerst in einer möglichst stressfreien Umgebung kennenzulernen.

Auf Basis dieser Eindrücke und je nach dem anhand von Videos erstelle ich anschliessend einen kleinschrittigen Trainingsplan.

Wenn Erwartungen unrealistisch werden

Was ich dabei als besonders schwierig empfinde, sind die hohen und oft unrealistischen Erwartungen, die an mich als Trainerin und an den Hund gestellt werden. Ich vermute, dass diese Vorstellungen stark durch all die Hundetrainer-, Hundecoach- und Hundeflüsterervideos geprägt werden. Wenn ein hoch leinenaggressiver Hund nach drei Trainings angeblich wie ein Lamm neben seinem Menschen läuft, dann scheint es logisch, dass auch das Bellen an der Haustürklingel in einer Sitzung abgestellt werden kann.

Schnelle Lösungen sehen gut aus, halten aber selten

Diese Erwartungen belasten mich. Nicht, weil ich keine Lösungen habe, sondern weil schnelle Lösungen zwar gut aussehen, in der Realität aber meist ins Land der Märchen gehören. Ja, es gibt Themen, die sich über Management entschärfen lassen. Und ja, man kann einen Hund so einschüchtern, dass er sich kaum noch etwas traut. Man kann ihn auch in einer Sitzung so verunsichern, dass er nicht mehr weiss, wo oben und unten ist. Aber das hat nichts mit nachhaltiger Veränderung zu tun.

Ein Vergleich zur Veranschaulichung

Um nochmals auf den Anfang zurückzukommen: Würdest du zu einem Coach oder Psychologen gehen, der dir verbal eine runterhaut und du danach als geheilter Mensch aus der Sitzung gehst? Oder zu jemandem, der dir verspricht, all deine Probleme in einer einzigen Stunde zu lösen? Du wärst vermutlich sehr misstrauisch und würdest das als unseriös empfinden.

Was eine gute Begleitung ausmacht

Ein guter Coach würde mit dir die Themen priorisieren und einen Schritt-für-Schritt-Plan erarbeiten. Er würde dir sagen, dass Veränderungen Zeit brauchen, dich aber jeder Schritt deinem Ziel näherbringt. Im Mensch-Hund-Coaching sind zudem mindestens zwei Individuen beteiligt.

Zum Schluss mein deutliches Statement

Also bitte hört auf, von mir als Hundetrainerin Wunder zu erwarten.
Gewalt kann schnell wirken und nachhaltig schaden. Ein durchdachtes, kleinschrittiges und positives Training dauert manchmal länger, vermittelt aber auf beiden Seiten ein tragfähiges und gutes Gefühl.

In diesem Sinne:

«An Wunder zu glauben war gestern, heute arbeiten wir an Verhalten.»

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