Der Welpe wächst nicht schneller, wenn man an ihm zieht
Was ein junger Trieb zum Wachsen braucht
Gerne möchte ich mit einem Bild einsteigen: Um einen Baum wachsen zu lassen, bedarf es einer guten Hege der Wurzeln sowie eines Nährbodens, der den jungen Trieb mit ausreichend Nährstoffen versorgt.
Es braucht eine sichere Umgebung, die dem jungen Baum die Möglichkeit gibt, gross, stark und widerstandsfähig zu werden.
Im Weiteren sind angepasste Reize und sogenannte Störungen wichtig für Anpassungsreaktionen, um auch in einer schwierigeren Wetterlage aufrecht und stark zu bleiben. Der sich entwickelnde Baum verfügt über ausreichend Flexibilität und Elastizität, um sich bei starkem Wind oder Schneefall unter der Last stabil und im Gleichgewicht zu halten.
Auch das Umfeld trägt seinen Teil zum Wachstum bei
Im Weiteren ist er auf seine Nachbarschaft angewiesen, auf alle seine Baumfreunde, die den jungen Baum durch ihre Stämme und Äste schützen und ihn vor groben Einflüssen abschirmen. Wenn es zu wenig Wasser hat im Untergrund, versorgen sie ihn über ihre eigenen Wurzeln mit Nährstoffen. Und wenn der Wind sehr heftig weht, bewegen sie die Kronen in ihrem windigen Tanz so, dass der junge Baum nicht beschädigt wird oder gar zu Fall kommt.
Dein Welpe ist wie ein junger Trieb, der gehegt und umsorgt werden möchte
Wenn ein Welpe bei dir einzieht, braucht er für sein körperliches, emotionales und mentales Wachstum vor allem eines: einen wohlwollenden und liebevollen Menschen, der ihm auf allen Ebenen Nahrung gibt. Einen Menschen, der ihm die Zeit und den Raum schenkt, ohne Eile und ohne Druck in dieser neuen Welt anzukommen und sich einzufinden. Um sich sicher zu fühlen, braucht der Welpe eine Umgebung, die ihm Geborgenheit vermittelt. Er braucht auch in der Nacht die Nähe zu seinem Menschen, um sich aufgehoben zu fühlen in seiner Familie.
Wachstum im Innen und Aussen will Weile haben
Ein Welpe möchte in den ersten Wochen seines Lebens seine Wurzeln in die Tiefe wachsen lassen und er möchte im Herzen seines Menschen einen riesengrossen Platz einnehmen. Der Kleine will das Leben entdecken, experimentieren, Erfahrungen sammeln und neue Eindrücke in aller Ruhe verarbeiten. Dazwischen braucht der Welpe viel Schlaf und ausreichend Ruhephasen, um für das nächste Abenteuer gewappnet zu sein.
Deine Aufgabe als Welpen-Mama oder Welpen-Papa
Genau wie die grossen Bäume für den Sprössling, hat auch der Mensch die Aufgabe, dem Welpen einen Schutzraum zu schaffen, wenn es mal zu «windig» wird und der Kleine noch nicht in der Lage ist, die Situation selbst zu bewältigen. Der Mensch ist in der Verantwortung, für den Welpen eine Lernumgebung zu schaffen, die ihn fördert, ohne zu überfordern. Wie der junge Sprössling braucht auch der Welpe Zeit, in seinem Tempo und in seinem Rhythmus in die grosse Welt hineinzuwachsen.
Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das ihr sicher alle kennt: «Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.»
Euer Welpe wird nicht schneller gross, wenn ihr ständig etwas von ihm wollt oder all die Erziehungstipps aus dem Internet an ihm durchprobiert.
Mein Wunsch und mein Anliegen ist, dass der Mensch wieder mehr lernt, auf seine Intuition zu hören und dieser zu vertrauen. Zu erkennen, was sein Welpe und später sein Junghund tatsächlich brauchen.
Damit meine ich mit Sicherheit nicht die Welpen- und Junghundegruppen, welche die meisten Welpen und Junghunde in eine Überforderung führen.
Die Waage im Lernprozess im Gleichgewicht behalten ist eine hohe Kunst
Ich meine vielmehr, das sorgfältige und achtsame Vorbereiten, Hinführen und Integrieren in einen Alltag, der dem jungen Hund ermöglicht, in einem angepassten Rahmen langsam in seine Welt hineinzuwachsen.
«Fördern ohne zu überfordern»: Tönt sehr einfach, ist aber eine hohe Kunst, die Lern- und Erfahrungswaage im Gleichgewicht zu halten mit den Emotionen und Gefühlen des uns anvertrauten Lebewesens.
In diesem Sinne:
«Gib deinem jungen Hund Nahrung auf allen Ebenen, damit sich seine Wurzeln in der Tiefe deines Herzens und im Leben verankern können».
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