Unsere eigenen Prägungen beeinflussen, wie wir in Beziehung sind
Unsere eigenen Prägungen gestalten massgeblich unsere Beziehungen
Wie wir mit unseren Hunden in Beziehung sind, hat sehr viel mit unseren eigenen Prägungen, Bindungs- und Beziehungsmustern zu tun. Wir alle waren und sind Kinder unserer Eltern. Und diese wiederum bringen aus ihrer Kindheit Bindungsmuster mit, die dann in unserer eigenen Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Beziehung zum Tragen kommen.
Oder eben in der Beziehung zu unseren Hunden und anderen Tieren. (Ich unterscheide nicht zwischen Haustier und Nutztier, weil diese Einteilung von Menschen gemacht ist, um bestimmte Tiere legitimiert zu nutzen).
Wir sind alle in Systemen eingebunden
Wir alle haben Systeme durchlaufen wie Schule, Ausbildung, Berufslehre oder Studium. Wir alle haben viele Erfahrungen gesammelt in der Beziehungsgestaltung mit unseren Mitmenschen. Und wir alle haben unsere ganz eigene Art, in Beziehung zu sein und Beziehungen zu gestalten.
Wir alle tragen Wunden und Verletzungen in uns, die wir möglicherweise irgendwo in der Tiefe verstaut haben. Und tun ganz viel, um den Zugang zu diesen wichtigen Informationen verschlossen zu halten.
Ein System möchte Schmerz vermeiden. Es hat die Möglichkeit zu flüchten, zu kämpfen, zu flirten oder zu erstarren. Wir versuchen, schmerzende Gefühle zu überlagern und wegzudrücken. Anstatt diese in unserem Leben zu integrieren und eine grosse Chance darin zu sehen.
Du siehst nur die Spitze des Eisbergs
Schmerzliche und traumatische Erfahrungen zu überlagern, ist wie den Deckel auf einen Dampfkochtopf zu schrauben. Was wir im Aussen leben und anderen von uns zeigen, ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Die ganzen unbewussten Anteile liegen unter Wasser, beeinflussen aber massgeblich unsere Gefühle, unsere Entscheidungen, unsere Beziehungen und unsere Handlungsmuster.
Bei der Auswahl unseres Hundes spielt unsere Prägung massgeblich mit
Und in einem grossen Mass beeinflussen unsere Erfahungen eben auch, welche Hunderasse mit welchem Geschlecht wir uns auswählen in unser System, welchen Erziehungsstil wir bevorzugen, welche Fütterung wir unseren Hunden zukommen lassen, welche Art von Beschäftigung wir mit ihnen ausüben möchten (danke Dir, Dorothee, für deinen wertvollen ergänzenden Input! www.hypno-mental.de).
Lass uns die Begriffe Bindung und Beziehung anschauen
Wenn es um das Thema Hund geht, sind Begrifflichkeiten wie «Eine sichere Bindung oder eine gute Beziehung» in jedem Hundeerziehungsratgeber zu finden. Der Fokus liegt immer auf dem Hund. Was ist zu tun, damit dieser sich bindet, damit dieser eine gute Beziehung zu seinem Menschen aufbaut etc. Es werden viele Übungen zum Bindungsaufbau empfohlen, darauf möchte ich an dieser Stelle aber nicht eingehen.
Bist du bereit für eine tragfähige Beziehung mit deinem Hund?
Für mich stellt sich vielmehr die Frage, ob der Mensch innerlich bereit ist, eine tragfähige und liebevolle Beziehung zu seinem Hund aufzubauen. Ihm die Chance zu geben, in seiner Obhut zu wachsen und sich sicher und geborgen zu fühlen sowie dessen Eigenständigkeit in gewissen Bereichen seines Lebens zu fördern. Ohne die latente Angst, dass der Hund die Führung übernimmt oder der Mensch sich in Frage gestellt fühlt.
Schaffe einen fruchtbaren Boden für Wachstum
Es geht in der Beziehung mit einem anderen Lebewesen, sei es ein Tier oder ein Mensch, doch in erster Linie darum, dessen Potential zu erkennen und einen guten Boden zu schaffen für inneres und äusseres Wachstum.
Bist du dir deiner Muster bewusst, kannst du sie verändern
Wenn du als Mensch auf Grund deiner Prägung ein grosses Sicherheitsbedürfnis entwickelt hast, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit deinen Hund gerne unter Kontrolle haben. Zuviel Eigenständigkeit verunsichert dich möglicherweise und macht dir sogar Angst.
Oder du bist ein Mensch, der sich durch Regeln und äussere Vorgaben in seinem In-der-Welt-sein sehr eingeschränkt fühlt und eventuell deshalb deinem Hund mehr Freiraum und Autonomie zugesteht und eher weniger Grenzen setzt.
Hast du viel Sicherheit erfahren und verlässliche Bindungspartner an deiner Seite gehabt, wirst du auch deinem Hund das Leben zutrauen und ihn konsequent und liebevoll in seinen Schritten in die Welt begleiten. Du freust dich, wenn dein Hund eigenständig die Umgebung erkundet und auch mal einen Blödsinn macht.
Nimm es weniger persönlich
Dein Hund prüft nicht eure Beziehung und will dich auch nicht testen, wenn er auf den ersten Rückruf nicht kommt, auch wenn sich das für dich so anfühlen mag. Er ist auch nicht ungehorsam. Er nimmt sich nur kurz Zeit, um seinem Bedürfnis nach olfaktorischer Kontaktaufnahme noch etwas nachzukommen. Anstatt dich zu ärgern, kannst du dich auch über die gute Nase deines Hundes freuen.
Transformation ist möglich
Deinem Hund ein verlässlicher und zugewandter Freund oder ebensolche Freundin zu sein, bedingt, sich mit der eigenen Bindungs- und Beziehungsbiografie zu befassen. Es geht darum, die eigenen Anteile und Muster in der Beziehungsgestaltung zu erkennen, diese anzunehmen und dann zu transformieren.
Dein Hund lehrt dich so viel über dein «In-der-Welt-sein», über dein «In-Beziehung-sein».
In diesem Sinne:
«Gib euch beiden die Chance, euer gemeinsames Potential wachsen zu lassen.»
- Aufrufe: 1475