Erregung in und am Wasser im Zusammenhang mit Dummytraining
An dieser Stelle möchte ich nochmals auf die Erregung am Wasser zurückkommen.
Heute habe ich einer Gruppe von Menschen zugeschaut, deren Hunde ständig geworfene Dummies aus dem Wasser fischen mussten. Die Hunde waren alle sehr erregt, starrten gebannt in den Fluss und warteten wie gespannte Federn auf ihren Einsatz. Die so viel erwähnte und erwünschte Steadyness geht bei einem solchen Setting im wahrsten Sinne des Wortes «bachab».
Dein junger unerfahrener Hund verknüpft Dummy am Wasser mit Erregung
Hast du möglicherweise noch einen jungen und unerfahrenen Hund dabei, kannst du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dein Hund vor lauter Aufregung fiept. Und wenn es nicht dein Hund ist, dann mit hoher Wahrscheinlichkeit der wartende Nachbarshund.
Stimmungsübertragung findet meistens statt
Du kennst das Prinzip der Stimmungsübertragung. Funktioniert wie das Amen in der Kirche fast immer. Und schon wärst du mit deinem Hund an der Dummy-Prüfung durchgefallen.
Unfair finde ich es allemal, den Hund derart in Aufregung zu versetzen
Selbst wenn du keine Prüfungsambitionen hast, finde ich es total unfair, einen Hund, egal welchen Alters, in eine derart hohe Spannung und Aufregung zu versetzen.
Was machen die Menschen, wenn der Hund fiept? Nein, nicht etwa die Szene verlassen, um wieder in die Ruhe zu finden. Sie massregeln ihren Hund, indem sie an der Retriever-Leine rupfen oder ihn mit einem genervten Tonfall anschnauzen. Beides trägt nicht wesentlich zu einer entspannteren Grundstimmung bei.
Anstatt Dummies ins Wasser zu werfen, lege die Dummies dem Ufer entlang aus
Ich gehe mit meinen jungen Hunden auch ans Wasser und nehme später auch Dummies für den einen oder anderen Apport mit. Diese ersten Apporte fliegen mit Sicherheit NIE ins Wasser! Im Idealfall beginnst du das Training am Wasser nicht im Sommer, sondern im Herbst oder Winter, wenn der Fluss nicht eine so grosse Anziehungskraft hat, weil die Hunde weniger das Bedürfnis nach Abkühlung haben.
Ich lege ein Dummy dem Ufer entlang, alles in der Ruhe. Je nach Hund kann werfen AM Wasser schon ausreichen, um eine Verknüpfung zu machen, die ich auf keinen Fall möchte, nämlich Aufregung in der Nähe von Wasser. Das kann bei einem wasseraffinen Hund über die stattfindende klassische Konditionierung Dummy mit Wasser und Erregung sehr schnell der Fall sein.
Das Wasser ist eine willkommene Belohnung für die bewältigte Dummyaufgabe
Meine Hunde dürfen natürlich zum Abkühlen zwischendurch von sich aus ins erfrischende Nass. Bedürfnisorientiertes Training sozusagen.
Was meine Hunde und die Hunde meiner KundInnen aber zuerst lernen dürfen, ist, dass man am Wasser nicht hochfahren muss an irgendeinem Wurfobjekt, sondern auch ganz entspannt baden oder am Wasser spazieren kann.
Hunde haben eigene Interessen am und im Wasser, wenn wir ihnen dazu Ruhe und Zeit geben
Wenn meine Hunde von sich aus voller Freude durchs Wasser toben, ist das eine ganz andere Sache.
Sie erkunden das Ufer, sie waten durch das kühle Nass, sie schwimmen einee Runde, um gleich darauf im Sand zu buddeln oder sich hinzusetzen, um den Enten zuzuschauen oder sie legen sich neben mich ans Ufer und chillen.
Alleine schon der Geruch eines Sees lässt manche Hunde beinahe durchstarten
Bei den meisten Hunden, die gerne im Wasser sind, steigt die Erregung alleine schon durch den Geruch oder den Anblick des Baches oder des Flusses.
Und nun kommt zu dieser eh schon aufgeregten Grundstimmung noch ein Dummy dazu, was leider sehr oft bereits mit einer hohen Erregung verknüpft ist. Jetzt kannst du die Arbeit am Wasser im Prinzip verabschieden.
Ausser, du kriegst noch die Kurve mit deinem Hund und machst dir ernsthaft darüber Gedanken, ob du nicht lieber einen entspannteren Hund am Wasser an deiner Seite haben möchtest, und zwar nicht nur, wenn es um Dummies geht. Er ist deswegen nicht weniger motiviert, aber ansprechbarer.
In diesem Sinne:
«Dein Hund kann seine Aufgabe nur so gut erfüllen, wie du das Setting gestaltest.»
Herzlich!
Bea
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