Mein Hund kann schon Sitz, Platz, Fuss und Pfote...
Mein Welpe oder Junghund kann schon Sitz, Platz, Pfötli geben, Peng und vor dem Napf sitzen.
So weit so gut. Nur nützt das herzlich wenig, wenn du mit deinem Hund im Alltag unterwegs bist.
Er wird bei einem Vogel nicht mit der Pfote winken und sich beim Anblick von Pferdeäpfeln auch nicht totstellen. Als Welpe oder Junghund muss er weder die 10-er Reihe lernen noch das Alphabet aufsagen.
Vorallem der Mensch ist gefragt beim Lernen
Meine Ueberzeugung geht ganz in die Richtung, dass vor allem der Mensch lernen darf, wie er seinem Hund erwünschtes Verhalten bewusst macht.Dazu gehört, gut zu beobachten, aufmerksam unterwegs zu sein und das Handy in der Tasche zu lassen.
Der Mensch lernt, dass das Markerwort für seinen Hund zum Lieblingswort wird, weil der Mensch ganz viel tolles Verhalten «einfängt», belohnt und so seinem jungen Hund bewusst macht:
Verhalten einfangen ist der erste Schritt hin zum Signal
Geht dein Welpe zufällig neben dir, lob ihn herzlich dafür und gib ihm ein Gudi. Kommt Dein Welpe von sich aus zu dir gerannt, freu dich riesig und belohne ihn fürstlich. Und nein, Kopfstreicheln ist nicht angebracht! Schaut dein Welpe oder Junghund einem Vogel zu oder ruhig einem fliehenden Reh hinterher, mach eine Partie und belohne grosszügig. Wartet dein Junghund ein paar Meter weiter vorne auf dich, loben und belohnen. Sorge vorausschauend dafür, dass dein junger Hund seine Pfoten am Boden lässt, wenn er Menschen begegnet, indem du ihm dieses höfliche Verhalten bewusst machst. Wie? Loben und belohnen natürlich. Dein Youngster erblickt einen anderen Hund und wendet seinen Blick in deine Richtung! Wow! Du weisst schon, was jetzt kommt. Oder er geht von sich aus ein paar Schritte neben dir! Wie cool ist das denn, belohnen bitte! Oder er legt sich im Restaurant nach einer Weile von selbst hin. Prima gemacht!
Merkst du was?
Es geht in der Ausbildung deines Hundes in erster Linie um dich. Du hast einen Plan und eine Vorstellung, wo du mit deinem Hund hinmöchtest. Du bist dir klar darüber, welches Verhalten du verstärken möchtest. Das ist JEDES Verhalten, das du von deinem Hund auch in Zukunft wünschst.
Befehle und Kommandos war gestern
Bedingt natürlich, dass du vom Befehlen und Kommandieren wegkommst, hin zum Beobachten und Verstärken von Verhalten. Die Signale für das erwünschte Verhalten kommen erst viel später dazu.
Manchmal werde ich gefragt, wann denn das «richtige» Training beginnt. Bisschen Einfangen von Verhalten so gänzlich ohne rumkommandieren, naja...
Vor allem in der Ausbildung von Tierschutzhunden mit Angstkomponente höre ich diese Frage öfters. Der Hund ist innerlich kurz vor einer Panikattacke, muss aber im Quartier an der Leine Fuss gehen. Oder Sitz machen, oder Autofahren. Der Stress tropft aus jeder Pore, das Gehirn besetzt mit Fluchtgedanken. Da weiss ich manchmal selber nicht mehr, wo ich anfange, dem Menschen eine kynologische Basis zu vermitteln.
Die Hunde müssen viele Erwartungen erfüllen
Die Ansprüche an die Hunde sind oft so hoch und jeder Lernschritt mindestens drei Nummern zu gross. Der Hund muss um jeden Preis in den Lebensalltag des Menschen passen.
Was ich denn mit meinen Hunden zu Hause so mache, wie ich sie beschäftige oder auslaste (wie ich dieses Wort h…) interessiert öfters mal. Meine lapidare Antwort lautet: «Meine Hunde chillen zu Hause und lassen ihre Seele baumeln. Sie verarbeiten Eindrücke und geniessen ihr Hundedasein».
Natürlich kann man etwas zu Hause üben, wenn eine reizarme Umgebung gefragt ist. Oder wenn dein Hund alt oder krank ist, oder du bist krank, oder die Umstände zwingen dich, zu Hause zu bleiben. Das meine ich gar nicht.
Dein Hund zeigt bereits so vieles von sich aus
Mich stört einfach sehr, dass der Fokus beim Lernen immer auf den Hunden liegt. Als ob die ein Defizit hätten. Mir ist es ein grosses Anliegen, den Menschen für all die tollen Verhalten zu sensibilisieren, die der Hund von sich aus anbietet. Das ist aus meiner Sicht ein intelligenter sowie tier- und menschenfreundlicher Unterricht.
Und ja, man kann später mit seinem Hund Trüffel suchen oder ins Dummytraining gehen oder auf den Menschentrail. Das ist dann ein gemeinsames Hobby.
Auch hier schau bitte genau hin, ob das nur dein Plan ist oder ob deine Interessen sich mit denjenigen deines Hundes treffen. Und wenn das so ist, steht einem gemeinsamen Vergnügen Tür und Tor offen.
In diesem Sinne:
«Lohnt sich ein Verhalten, wiederholst Du es.Genauso geht es deinem Hund.Lernen kann viel Freude machen, wenn wir es zulassen.»
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