Spieglein, Spieglein an der Leine...
…oder was mein Hund über mich verrät.
Hunde als emotionale Stellvertreter
«Wenn ich ehrlich bin, beneide ich meine Hündin fast ein bisschen. Wenn sie einen Menschen unsympathisch findet, lässt sie den einfach links liegen».
Diese Äusserung stammt von einer Klientin in einem tiergestützten Coaching. Wie cool ist das denn, denke ich. Und bedanke mich innerlich kurz beim Vierbeiner, der uns die Tür geöffnet hat zu einer echt spannenden Coachingsitzung.
Wir konnten über das Thema Abgrenzung reden; über Selbstwahrnehmung und wie oft wir freundlich sind, obwohl unsere innere Stimme schon lange Stopp gerufen hat. Und wie unmittelbar unsere Hunde auf unsere Stimmung reagieren und stellvertretend für uns agieren.
Wir haben gelernt, immer freundlich zu sein
Nun kann ich fragen, was denn die Hündin in so einem Moment genau macht. Woran die Klientin merkt, dass ihre Hündin jemandem die kalte Schnauze zeigt. «Sie wechselt einfach an der Leine ohne Aufforderung auf die andere Seite und macht einen grossen Bogen um den Menschen herum. Zudem guckt sie weg und wird ein wenig schneller. Wenn ich dann anhalte, weil der andere ein paar Worte wechseln will, zieht sie dauernd an der Leine und beginnt zu kläffen». «Ob sie sich denn daran stört?» Hier ist die Klientin ambivalent. Einerseits ist sie froh, dank dem Theater ihres Hundes mit einem «Sorry, sie will weiter» aus der Situation heraus zu kommen. Andererseits hat sie dann so was wie ein schlechtes Gewissen, weil sie den anderen Menschen «in der Landschaft hat stehen lassen». Und sie schämt sich auch ein wenig ob dem Gedönse ihres Hundes, der sie gerade ein bisschen vorgeführt hat.
Kommt dir das bekannt vor?
An dieser Stelle möchte ich jetzt unser Coaching verlassen und ganz direkt dich ansprechen:
«Kannst du dich auch an eine Situation erinnern, wo dein Hund «eurem» Unmut freien Lauf gelassen hat, du dich in der Situation genauso unwohl gefühlt hast wie dein Hund, dich aber nicht getraut hast, die Bühne zu verlassen?»
Mir selber fällt da die eine oder andere Begebenheiten ein, wo meine Hundedamen sich leicht danebenbenommen haben, weil ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört habe. Man will ja schliesslich nicht aus der Rolle fallen. Täuschen lässt sich vielleicht ein Gegenüber, aber nicht mein Hundetrio. Die kennen mich in und auswendig und nehmen jede emotionale Veränderung wie Seismographen wahr.
Ein Müsterchen gefällig aus unserem Privatleben mit Damentrio
Du möchtest sicher ein Müsterchen aus unserem Zusammenleben, sehr gerne: Restaurantbesuch. Die Damen unterm Tisch. Ein Bekannter kommt mit seinem jungen Rüden herein. Ich weiss ganz genau, dass die Damen keinen Besuch unter «ihrem Tisch» möchten. Und ich selber habe gerade auch gar keine Lust auf Smalltalk zu irgendwelchen Hundethemen in meiner Mittagspause. Ich versuche also, so tief wie möglich in die Zeitung «hineinzukriechen», sauge die Buchstaben förmlich in mir auf. So schaut eine Zeitungsleserin aus, die NICHT gestört werden möchte. Dachte ich mir zumindest. Bloss den Blick nicht heben. Ich zähle innerlich die Sekunden, bis die beiden sich an einen anderen Tisch gesetzt haben und ich wieder durchatmen kann.
Da passiert das Unvermeidliche: Leela schiesst wie von der Tarantel gestochen unterm Tisch nach vorne und knurrt den Rüden an. Blöd gelaufen, denke ich. «Ach, ihr seid es, habe euch gar nicht reinkommen sehen.» Ehrlich, bisschen peinlich war das schon. Und was dann folgt, kannst du dir ja denken: «Smalltalk zu Hundethemen».
Innerlich suche ich für Leela ein neues zu Hause und ich selber besuche in naher Zukunft ein Seminar zum Thema: «1001 Tricks, dich unsichtbar zu machen». Leela muss natürlich zwingend mit.
Unsere Hunde sind wie Seismographen
Wenn ich aber auf einer objektiveren Ebene die Situation betrachte, hat Leela meine Anspannung gespürt und darauf reagiert. Der Umstand, dass Hunde in ihren nahen Bezugspersonen emotionale Zustände so unmittelbar wahrnehmen und sich sogar von ihnen anstecken lassen, finde ich einfach wunderbar und faszinierend. Es ist doch sehr eindrücklich, wie unsere Hunde Gefühle wie Wut, Ärger, Trauer, aber auch Freude, Aufregung und Unruhe spüren und unmittelbar darauf reagieren.
Wir beeinflussen uns gegenseitig
Sind wir zufrieden und glücklich unterwegs, ist unsere Stimmung innerlich freudig und ausgeglichen, ist auch unser Hund mit sich und der Welt zufrieden. Egal, was da auf uns wartet, wir lassen uns nicht aus dem Gleichgewicht bringen, weder innerlich noch äusserlich. Du hast sicher auch schon erlebt, dass dein Tag eher etwas flach angefangen hat, und dein Hund dich auf dem Spaziergang dann mit seinen lustigen Flausen in eine fröhliche Stimmung versetzt hat. Funktioniert also in beide Richtungen mit den Spiegelneuronen.
Schliessen wir den Kreis zum eingangs erwähnten Coaching. Wenn du achtsam mit dir selber unterwegs bist und deine Stimmungen bewusst wahrnimmst, wirst du auch die Reaktionen deines Hundes und seine emotionale Gestimmtheit einordnen können. Dein Hund ist dein Spiegel und umgekehrt genauso.
Ich möchte dich motivieren, den verlinkten Beitrag zu lesen. Du erfährst einiges über Emotionen und wie wir uns gegenseitig spiegeln, also dein Hund und du.
https://www.nationalgeographic.de/tiere/2021/10/ansteckende-emotionen-hunde-und-ihre-besitzer-fuehlen-gleich
In diesem Sinne:
«Spiegeln und gespiegelt werden ist ein Zeichen von Verbundenheit und Freundschaft.»
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