Einfach mal die Seele baumeln lassen, oder: wenn die Selbstbestimmung Raum bekommt
Das machen wir gerade sehr viel in dieser Ferienwoche. Wir sind zu Hause oder in der Natur und geniessen einfach den Moment. Keine grossen Pläne, wir stehen am Morgen auf und finden raus, wozu wir gerade Lust haben. Wir, das sind 3 Hundedamen und ich. Heute zum Beispiel war mein Gedanke, spontan mit unseren zwei Freundinnen (zwei- und vierbeinig) abzumachen, um eine neue Umgebung zu erkunden.
Unterwegs auf unbekannten Pfaden
Wir alle haben es genossen, auf uns unbekannten kleinen Wegen durch den Wald zu streifen. Die Hunde gaben mehr oder weniger das Tempo vor und je nach Gelände wählten sie auch aus, wo wir zusammen entlanggehen. Lustigerweise sind sich die 4 Hundemädels meistens einig. Ihre Vorliebe für verwachsene kleine Pfade mit erdigem Boden und Schlammlöchern passt für alle. Also für die Hunde. Das ist unser Kompromis. Wir bleiben auch mal an einem Ort etwas länger, damit die Hundedamen ausgiebig erkunden können: Schlammbaden, Löcher buddeln, Holz kauen, Spuren verfolgen und vieles mehr, macht den Spaziergang zu einem Erlebnis für alle Sinne. Die Hunde zu beobachten, selber innezuhalten, zur Ruhe zu kommen. Was gibt es Erfüllenderes heute Morgen?
Spaziergänge als sinnliches Erlebnis versus Auslasten um jeden Preis
Ich plädiere dafür, Spaziergänge zu sinnlichen Erlebnissen für alle zu machen. Dein Hund zeigt Dir ganz sicher, wonach ihm die Sinne stehen und Du kannst Deinem Freund auf vier Pfoten auch Deine Vorschläge unterbreiten. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass nicht nur der Mensch vorgibt, was gerade an Beschäftigung angesagt ist. Sonst landen wir mit ziemlicher Sicherheit in der «Auslastungsfalle» für den Hund. Der Mensch gibt vor, und der Hund führt aus. Ein Retriever muss ausgelastet werden mit Apportieren, einen Windhund lastet man aus mit Rennen am Velo, ein Lagotto findet sein Glück durch Auslastung beim Trüffelsuchen, ein Schäferhund ist ausgelastet, wenn er am Boudin hängt, die Auslastung des Doodles ist das Therapieren, des Bordercollies Auslastung ist das Tricksen oder Hüten, die Auslastung aller Hunde ist das wilde Spiel mit Artgenossen etc.
Lerne die wirklichen Vorlieben deines Hundes kennen und nicht die nach Rassebeschrieb
Mittlerweile bin ich etwas nachdenklich geworden, was das Wort Auslastung betrifft. Das tönt für mich so anstrengend und mechanisch. Bei meiner Recherche zum Begriff Auslastung bin ich auf folgende Definition gestossen: » (...) sie wird beispielsweise als Verhältnis (Kennzahl) von der tatsächlichen zur maximal möglichen Nutzung festgelegt (Quelle: refa-consulting.ch)». Wir gehen also davon aus, dass wir unseren Hund irgendwo zwischen der tatsächlichen und der maximalen Nutzung beschäftigen. Und den Nutzungsgrad und die Art der Nutzung bestimmt nicht selten auch der Mensch. Ungeschickt dann, wenn der Hund trotz Rassenbeschrieb andere Vorlieben hat als zum Beispiel ein Dummy durch die Gegend zu tragen. Um deinen Hund und dessen Bedürfnisse und Vorlieben wirklich kennen zulernen, ist es wichtig, ihn zu beobachten. Was macht er gerne, wenn er die Möglichkeit hat? Was ist seine Lieblingsbeschäftigung? Bitte sag jetzt nicht: Dogdance oder Obedience. Ich meine eine Beschäftigung, die er von sich aus wählen würde, wenn er denn könnte. Sicherlich macht dein Hund auch gerne Tricks oder hat Freude mit dir zusammen eine Unterordnung zu laufen. Das ist auch völlig ok und hat seinen Platz und seine Berechtigung.
Dein Hund darf und soll die Spaziergänge mitgestalten
Ich möchte dich dahin sensibilisieren, dass Dein Hund ganz eigene Bedürfnisse und Vorlieben hat, denen er nachgehen oder die er befriedigen möchte. Und das natürlich in dem von uns gegebenen sicheren Rahmen für alle Beteiligten. Vielleicht möchte er einfach mal auf einer Wiese ausgiebig schnüffeln und Zeit verbringen, auch wenn Dein Plan war, 1h laufen zu gehen? Oder sich im Wald in den Schatten zu legen, um genüsslich an einer Wurzel zu kauen? Hast du Bedenken, dass Dein Hund dann möglicherweise nicht «ausgelastet» ist? Oder hast Du eventuell ein anderes Bedürfnis nach Bewegung – also Deiner «Auslastung» - verspürt, anstatt deinem Hund beim Kauen zuzuschauen? Sollte dem so sein, nimm es gelassen und denk an all die anderen Situationen, wo Dein Hund auf dein Signal, weiterzugehen, seine Schnüffelstelle oder sein Mausloch hat verlassen müssen.
Manchmal ist es der kleinste gemeinsame Nenner
Ich frage mich des Oefteren, ob ich all meinen Hunden und mir selber gerecht werde und muss zugeben, dass ich das einfach nicht schaffe. Aber ich versuche, dass möglichst jede von uns ab und zu ihr ganz eigenes momentanes Bedürfnis ausleben kann. Auch wenn es für die 3 anderen vielleicht nicht die präferierte selbstgewählte Beschäftigung ist oder das eigene Bedürfnis abdeckt. Manchmal ist es auch einfach der kleinste gemeinsame Nenner, um dafür am nächsten Tag ein Highlight zu erleben.
Ich geniesse es, wenn meine Hunde mit sich und der Welt im Einklang sind, wenn sie Eigenes tun und lustige Ideen haben. Ihr Tag wird immer noch ausreichend fremdbestimmt. Klar, bis zu einem gewissen Grad sind wir das ja alle. Umso wichtiger, solche «Ichlassdieseelebaumeltage» zur Gewohnheit werden lassen.
In diesem Sinne:
«In diesem Sinne: weniger Auslasten und mehr Seele baumeln lassen, probier es einfach aus.»
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