Kein Problem ohne Ausnahme oder wenn die Ausnahme die Lösung in sich trägt
«Jedes Mal», «immer» und «in jeder Situation»
Vermutlich kommen dir folgende Aussagen über deinen Hund bekannt vor oder du kannst sie zumindest einordnen:
«Jedes Mal, wenn ich meinen Hund zu mir rufe, rennt er noch eine Extrarunde.»
«Bei jeder Hundebegegnung an der Leine benimmt sich mein Hund wie eine Furie.»
«Immer, wenn wir mit der Leine unterwegs sind, zieht mein Hund wie ein Traktor.»
Auch Selbstsabotage ist wenig hilfreich
Und dann die selbstsabotierenden Sätze wie:
«Ich mache alles falsch mit meinem Hund.»
«Es gelingt mir nie, entspannt zu bleiben, wenn wir ein anderes Team kreuzen.»
«Ich schaffe es nie, nur ein einziges Signal zu geben.»
Gefühlt ist das Problem immer da, selbst wenn es mal Pause macht
Wenn wir ein schwieriges Thema oder eben ein Problem haben, das uns immer wieder im Alltag begegnet, fühlt es sich öfters so an, als ob dieses Problem immer da wäre und nie Pause macht. Egal, wo wir sind, es lauert bereits hinter der nächsten Hausecke, um uns einmal mehr zu ärgern oder zu verunsichern.
Hast du beispielsweise einen kleinen Leinenpöbler neben dir, bist du ganz sicher, dass er bei jedem Hund den Macker raushängen lässt. Oder begleitet dich ein Staubsauger auf vier Beinen durch den Alltag, frisst er mit hundertprozentiger Voraussagesicherheit einfach alles, was ihm vor die Schnauze kommt. Und solltest du einen Hund haben, der an der Leine deine Arme in die Länge zieht, macht er das ganz bestimmt immer und auf jedem Spaziergang.
Natürlich wiederholst auch du immer dieselben Fehler und das in jeder Situation, die auch nur annähernd ähnlich ist. So verkürzt du bei jeder Hundesichtung auf Distanz die Leine und hältst dich krampfhaft daran fest. Und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird auch dein Rückruf fünf von fünf Mal nicht funktionieren.
Geht's noch, denkst du jetzt?
Solltest du jetzt innerlich leicht empört den Kopf schütteln und mir widersprechen, gratuliere ich dir von ganzem Herzen. Du bist nicht in die «es ist immer so und wird immer so bleiben» Falle hineingetappt. In dir ist Hoffnung und Zuversicht, dass du dein Problem möglicherweise lösen oder das Ruder gerade noch herumreissen kannst.
Erfolgssituationen tauchen vor deinem inneren Auge auf
Möglicherweise sind während dem Lesen obiger Aussagen vor deinem inneren Auge Situationen aufgetaucht, bei denen der Rückruf richtig gut geklappt hat oder bei denen dein Hund ohne Gedönse am Nachbarshund vorbeigegangen ist. Und als dein Freund auf vier Pfoten heute Morgen die Semmel auf dem Boden hat liegen lassen, warst du möglicherweise selbst überrascht. Vielleicht ist dir auch die Situation von gestern sehr präsent, als du entspannt und ohne Schweissausbrüche mit deinem Hund durch die belebte Innenstadt spaziert bist.
Es gibt meistens eine Ausnahme vom Problem
Tatsächlich gibt es nie – oder beinahe nie – ein Problem ohne Ausnahme. Auch wenn es sich für einen selbst oft anders anfühlt. Hat man ein Thema, das einen beschäftigt, ist es omnipräsent, immer im Kopf und macht ganz selten mal Siesta.
Das Kopfkino ist eingeschaltet
Bevor wir mit unserem Hund aus dem Haus gehen, packen wir sinnbildlich das Problem mit in den Rucksack oder die Tasche, damit wir es auf keinen Fall vergessen.
Und sollten wir es tatsächlich mal vergessen haben, erinnern wir uns spätestens dann, wenn der erste Hund am Horizont erscheint. Wir lassen das Problem aufleben, indem wir die Leine verkürzen, den Atem anhalten, uns auf Flucht oder Kampf einstellen. Und schon eilt das erwartetet Szenario der Begegnung im Laufschritt voraus.
Erinnere dich an eine positive Begebenheit aus der Vergangenheit
Lass und doch gemeinsam ein Experiment machen. Erinnere dich bitte an eine Situation in der Vergangenheit, bei der das Problem nicht oder nur ein kleines Bisschen aufgetreten ist:
Was war anders? Was hast du möglicherweise bereits dazu beigetragen, damit das Problem nicht von dir und deinem Hund Besitz ergreift? Wie hast du dich in dieser Situation gefühlt? Möglicherweise hast du dem Problem einfach weniger Beachtung geschenkt und dich emotional etwas distanziert? Falls dem so ist: Was hat dich darin unterstützt, in der Situation gelassener zu bleiben? Vielleicht hast du ja bereits einen Schritt in Richtung Lösung getan, indem du möglicherweise die Strassenseite gewechselt hast? Oder indem du deine Selbstregulation beeinflusst und dadurch entspannter reagiert hast?
Wahrnehmen und beobachten, wenn es gut läuft, ist der erste Schritt hin zu einer Lösungsvision
Sobald du anfängst, dich dabei zu beobachten, wenn es gut läuft, wenn du die Kontrolle in der Situation zumindest teilweise behalten kannst, wenn deine Emotionen nicht gleich mit dir durch die Decke fliegen, sondern wie ein ruhiger Bach in dir fliessen, bist du bereits mitten im Lösungsprozess drin.
Die Sache mit den Ausnahmen
Ausnahmen zeigen dir die oft unbewusste Lösung auf. Indem du dir die Ausnahme bewusst machst, hast du bereits ein Alternativverhalten für die betreffende Situation herausgefunden.
Was, wenn du tatsächlich keine Ausnahme gefunden hast für eine immer wiederkehrende belastende Situation mit deinem Hund? Auch dafür gibt es ein Licht am Horizont. Du überlegst dir, was genau du oder dein Hund machen müssten, damit die Situation noch mehr eskaliert oder sogar noch schlimmer ausgehen könnte.
Angewandte Übung, gerne ausprobieren
Sicher kennst du die Sache mit der Muskelentspannung nach einer bewusst provozierten Anspannung. Falls nicht, probier's doch hier gleich aus: Spanne deinen Bizeps ganz fest an, zähle innerlich auf zehn und dann lass langsam die Spannung wieder gehen. Dein Arm fühlt sich mit Sicherheit für einen Moment leichter an als zu Beginn.
Eine Situation lässt sich in beide Richtungen beeinflussen
Im übertragenen Sinn bedeutet das: «Wenn du eine Situation beeinflussen kannst, indem du sie verschlimmerst, kannst du sie auch in die andere Richtung beeinflussen».
Alleine schon dieses Wissen hilft, dass Begebenheiten nicht in Stein gemeisselt sind, sondern der Veränderung unterliegen und beeinflussbar sind. Schon alleine darüber zu sprechen, was dich und deinen Hund unterstützt, damit die Situation nicht noch schlechter wird, trägt bereits einen Teil der Lösung in sich.
So tun, als ob das Problem bereits verschwunden sei
Eine weitere Möglichkeit, um aus einer verfahrenen oder belastenden Situation eine neue Perspektive zu entwickeln, ist, gedanklich so zu tun, als ob das Problem bereits verschwunden sei. Schau dir die Szene vor deinem inneren Auge an. Welche Ressourcen und Fähigkeiten aus deinem Erfahrungsrucksack haben dir und deinem Hund bereits dabei geholfen, einen neuen Umgang mit der bis anhin belastenden Thematik zu finden? Das Problem sozusagen zum Verschwinden zu bringen?
Lass uns gemeinsam immer wieder den Fokus wegrichten vom Problem, hin zu einer Lösungsvision, die vielleicht aktuell noch in der Zukunft liegt, aber viel näher und greifbarer ist, als du denkst.
«Auch wenn es sich als immer gleich anfühlt, ist es jedes Mal ein bisschen anders.»
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