Und wenn du denkst, es geht NICHTS mehr ...
Das Problem sitzt fest in deinem Kopf
Sicher kennst du das: Ein Problem in deinem Alltag mit Hund hat sich so richtig festgesetzt in deinem Kopf und in deinem Erleben. Das Problem steht bereits in den Startlöchern, sobald du Leine und Brustgeschirr vom Haken nimmst und deinem Hund damit ausstaffierst.
Der Stress steht bereits in den Startlöchern
Dein Körper reagiert mit Stress, sobald ihr aus der Haustüre tretet. «Hoffentlich kommt uns heute kein Hund entgegen». Die erste Ecke ist geschafft. Nur noch um die letzte Kurve biegen, dann sind wir im Wald.
Zu schön wäre es gewesen. Da vorne wartet der Bauernhofhund auf seinen Einsatz. Gestern war der doch noch am Schlafen um diese Zeit. Auch das noch! Dein Puls fährt hoch, dein Atem stockt, deine Hände umklammern die Leine, dein Kopf sucht fieberhaft nach einem Ausweg. Und was macht der Bauernhofhund? Der guckt, der gähnt, der dreht sich um und verschwindet im Stall. Echt jetzt? Glück gehabt für diesen Tag.
Wir sind auf Verhaltensmuster konditioniert
Wir sind so konditioniert, in bestimmten Situationen immer dasselbe Muster abzurufen. Auch wenn der Hund nur einmal in die Leine geknallt ist und einen Kollegen auf vier Pfoten zurechtgewiesen hat, macht unser Nervensystem bei der nächsten Begegnung einen auf «hab Acht».
Dein Hund hingegen hat den kleinen Vorfall von gestern schon längst verdaut. Er kaut nicht darauf herum wie auf einem Knochen. Er hat auch keinen Erzfeind. Das war einfach eine hündische Kommunikation mit einer klaren Ansage.
Deine Anspannung überträgt sich 1:1 auf deinen Hund
Und was tut der Mensch? Der beginnt zu generalisieren und hält bei der nächsten Hundebegegnung die Leine stramm. Womöglich noch mit präventivem Zug und einem verbalen «Lass es sein». Was nun folgt, kannst du dir in etwa denken: Der angespannte Mensch mit der straffen Leine in der Hand überträgt seine panische Stimmung auf seinen Hund.
Und was macht der Hund? Er reagiert auf die Signale seines Menschen und nicht etwa auf den entgegenkommenden Hund. Das passiert erst etwas später, wenn der Mensch sein Muster nicht erkennen und durchbrechen kann.
Wenn der Hund in der Begegnung mit einem Kollegen jedes Mal etwas Unangenehmes erfährt, lässt die Konditionierung «anderer Hund gleich Stress» nicht lange auf sich warten.
Reine Verhaltensanweisungen bringen euch nicht weiter
Was ist folglich die Lösung des Problems? Der Mensch betreibt Management und Gegenkonditionierung, baut Alternativverhalten auf ausserhalb der Situation, um diese dann erfolgreich in der Begegnung anzuwenden. Und obwohl der Mensch sich solche Mühe gibt mit seinem Hund, hat sich nach zwei Wochen nur wenig verändert.
Man hat viel Geld und Energie investiert in das Training für diesen Minioutput, da muss man doch den Trainer wechseln.
Never ending story?
Die Geschichte könnte endlos so weitergehen. Anderer Trainer, andere Methode, nochmals ein neuer Coach und eine weitere erfolgsversprechende Methode, damit dein Hund endlich das erwünschte Verhalten lernt und zeigen kann. Leider klappt es immer weniger, die Situation ist vermeintlich festgefahren.
Mittlerweile bist du so enttäuscht und frustriert, dass du mit deinem Hund am liebsten gar nicht mehr spazieren gehen möchtest. Du fühlst dich als Versager. Das Problem mit den Begegnungen bestimmt dein Denken und Handeln und lässt kaum mehr Raum für Veränderung und Leichtigkeit.
Es kann auch ganz anders sein
Dabei wäre es doch so einfach! Wir nehmen den Blick weg vom Problem und von allem, was nicht funktioniert. Wir schauen nicht, was ihr, du oder dein Hund, so alles falsch macht, sondern wir entdecken gemeinsam, was denn alles schon prima läuft. Mit einem Problem können wir nicht arbeiten, aber mit deinen Ressourcen und Möglichkeiten oder mit denen deines Hundes. Dadurch wird euer Handlungsspielraum wieder grösser.
Ein lösungs- und ressourcenorientierter Ansatz bringt dich weiter
Sehr gerne nutze ich lösungs- und ressourcenorientierte Fragestellungen. Die Wunderfrage (Steve de Shazer) ist eine Möglichkeit. Sie erlaubt dir einen neuen Blickwinkel in einer Situation, die als unlösbar erscheint und bei der du dich im Problem als gefangen erlebst. Auch die Frage nach der Ausnahme vom Problem weist auf einen möglichen Lösungsweg hin. Durch das Erfragen von Ressourcen und das Sichtbarmachen all eurer kleinen Erfolge im Alltag stärkst du dein Selbstvertrauen. Dadurch bist du mit der Zeit in der Lage, dich auch in einer schwierigeren Situation zurechtzufinden und deine Fähigkeiten zielführend zu nutzen.
Wenn du dich sicherer fühlst in deinen Möglichkeiten und dir emotional auch zutraust, einen gemeinsamen Lösungsweg zu gehen, wirst du Schritt für Schritt in der Lage sein, eine Verhaltensmodifikation zuerst bei dir und dann bei deinem Hund einzuleiten und umzusetzen.
«Ich bin gespannt, wo dein Lösungsweg dich und deinen Hund hinführen wird.»
- Aufrufe: 2143