Was dein Welpe im zarten Alter lernt, lernt er fürs Leben – auch mit Besuch umzugehen
Dein neues Familienmitglied auf vier Pfoten ist da und alle wollen es kennenlernen
Dein Welpe ist bei dir eingezogen. Lustig und voller Tatendrang erkundet er nach ein paar Tagen des Einlebens seine neue Umgebung. Du denkst, es ist an der Zeit, das kleine Kerlchen deiner oder eurer Verwandtschaft vorzustellen. Die warten alle schon sehr gespannt und neugierig auf das erste Welpentreffen. Du hast in den vergangenen Tagen gefühlt hunderte von zuckersüssen Schnappschüssen an deine Freunde und deine erweiterte Familie geschickt. «Klein-Fritzi» – so nennen wir ihn – ist bereits bekannt wie ein bunter Hund, im wahrsten Sinne des Wortes.
Endlich ist der Besuchstag da – und auch Tante Vroni
Dann ist er endlich da, der Besuchstag. Es klingelt und dein Welpe reagiert komplett neutral, weil die Türglocke für ihn zu diesem Zeitpunkt noch ohne Bedeutung ist. Das ändert sich aber schlagartig in den folgenden Minuten: Tante Vroni ist die erste, die sich nach Klingeln und Türöffnung mit einem Aufschrei des Entzückens auf den kleinen Fritzi stürzt. Schon sitzt sie am Boden und Fritzi turnt fröhlich auf ihr herum. Was für eine Party! Fritzi, der absolute Mittelpunkt und das Highlight des Nachmittages.
So nach und nach trifft dann der Rest der Verwandtschaft ein: «Klingeln – Türöffnung – Eintreten – Rufe des Entzückens – Sich auf den Boden setzen – Welpenknuddeln und -bespassen». Nach zwei Stunden ist der ganze Spuk vorbei.
Die Verwandschaft ist weg – und Fritzi ausser sich
Fritzi rast völlig überdreht über alle Möbel, beisst in jede Wade, die vor seinen scharfen Milchzähnchen auftaucht, und rennt wie ein Berserker über die Polstergruppe. Eine gefühlte Ewigkeit und vielen AUS, NEINS und AUAS später, kippt der Welpe einfach um und schläft. Wie nett er doch ausschaut, der kleine Fritzi, und wie viel Spass er hatte. Bis auf die paar schwachen Minuten, da siehst du gerne drüber weg.
Dasselbe Szenario am nächsten Wochenende
Ein Wochenende später kommt die zweite Staffel der Verwandtschaft zum Welpenplausch. Es klingelt und Fritzi fährt sofort auf hundertachtzig hoch. Du bist begeistert, weil «Klein-Fritzi» sich so sehr freuen kann! Was für ein sonniges Gemüt er doch hat.
Danach läuft alles wie beim letzten Mal: viel Knuddeln, viel Bespassen, viel Erregung und dann der komplette Breakdown. Natürlich erst nach der Beisserei in Hände, Füsse und Waden und der Raserei über das schicke Sofa.
Du kannst dir denken, wie die Geschichte weitergeht. Irgendwann bist du völlig entnervt, weil kein Besuch mehr unbeschädigt aus der Wohnung kommt. Mittlerweile stufen die meisten deiner Verwandten und Bekannten den Kleinen eher als nervig ein.
Dein Welpe hat Türklingel und Besuch sehr erfolgreich mit hoher Erregung und viel Action verknüpft.
Der Welpe wird erst begrüsst, wenn er nicht mehr daran denkt
Genau das ist der Grund, weshalb ich deinen Welpen an unserem Treffen bei dir zu Hause nicht zu Beginn begrüsse und beachte, sondern mich zuerst dir zuwende.
Die neuen Welpeneltern reagieren ab und an etwas irritiert, wenn ich das so handhabe und ihr neues Familienmitglied erst mal links liegen lasse. Es mag fast so scheinen, als wenn ich keinen Blick in den Kinderwagen werfen würde, um das neue Baby zu bewundern. Doch es geht jetzt darum, Folgendes zu etablieren: dem Welpen zu vermitteln, dass Besuch echt langweilig ist. Erst, wenn dein Welpe zur Ruhe gekommen ist und sein Interesse an mir verloren hat, spreche ich ihn an. Und du belohnst natürlich das ruhige Verhalten deines Welpen.
«Spätestens nach eurem dritten Besuch wirst du an mich denken und mein Verhalten einordnen können.»
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