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Die neue Hundeausbildung nach Paragraph 13 HuV kritisch betrachtet

Die neue Hundeausbildung wirft für mich Fragen auf
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit den Inhalten der neu konzipierten praktischen Hundeausbildung im Kanton Zürich.

Mit jedem neuen Hund muss ein Praxiskurs über 6 Lektionen absolviert werden. Egal, ob dein erster oder fünfter Hund dich begleitet. Du darfst den Kurs aber erst besuchen, wenn dein Hund 6 Monate alt ist. Ist dein Hund bei der Übernahme schon älter, hast du ein Jahr Zeit, bis du dich ernsthaft mit den Inhalten des Praxiskurses befassen musst.

Von sehr interessiert bis geht-mich-gar-nichts-an in einem Kurs
Ich erinnere mich mit Bauchweh an den Sachkundenachweis, der vor der aktuellen Ausbildungspflicht kreiert wurde. Zuerst habe ich Gruppenkurse angeboten, um sehr schnell zu realisieren, dass es sehr interessierte Hundehalter gibt, die tatsächlich etwas lernen wollten. Und dann gab es die grosse Anzahl der anderen, welche absolut desinteressiert auf der Matte respektive auf dem Rasen stand – nicht selten mit Handtasche und in Highheels. Bei Regen blieben sie sowieso fern und Matsch an den Hundepfoten war der Horror; also nicht für den Hund. Je nach Grösse des Vierbeiners wollten sie den sowieso bevorzugt in der Tasche lassen.

Sehr motivierte Hundehalter standen mit ihrem Hund in einer völlig heterogenen Ausbildungsgruppe und schauten alle zwei Minuten auf die Uhr, in der Hoffnung, die Lektion bald hinter sich zu haben.  

Vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen bunt gemischt
Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, eine inhaltlich fundierte sowie methodisch-didaktisch hochstehende Ausbildung durchzuführen, wenn Hunde und Menschen völlig unterschiedliche Erfahrungshintergründe und Motivationen haben.

Das wäre in etwa so, als wenn ich einen Sprachkurs anbieten würde, bei dem ich Teilnehmer von Level 1 bis 6 alle in dieselbe Klasse stecke. Oder einen Tanzkurs ausschriebe, der sowohl für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene geeignet wäre, weil die Inhalte immer dieselben sind.

Das aktuelle Konzept ist fast richtig, wie es ist
Die aktuelle Ausbildungspflicht mit den Kursen Welpen-, Junghund- und Erziehungskurs für Hunde der Rassetypliste 1 ist aus fachlicher Sicht ein sehr gutes Konzept. Einzig schade, dass die Ausbildungspflicht nicht für alle Hunde, also auch für die Kleinhunde und deren Menschen gegolten hat.

Bis anhin war es möglich, die Teams von Anfang an im Alltag zu unterstützen und zu begleiten. Bis zur Pubertät konnte Verhalten aufgebaut und bereits etwas gefestigt werden, um entspannter durch die Sturm- und Drang-Zeit zu kommen. Auch für Hunde mit Migrationshintergrund war es möglich, die Lerninhalte sehr individuell und bedürfnisorientiert zusammen mit ihren Menschen zu erarbeiten.

Zehn Schritte zurück, was die Professionalität betrifft
Mit dem neuen Gesetz, welches in ein paar Wochen in Kraft tritt, wird es in der Mensch-Hunde-Welt mit Sicherheit nicht besser aussehen. Im Gegenteil! Es werden mehr Verhaltensberatungen und Verhaltenstherapien nötig sein, weil bis zum Alter von 6 Monaten schon vieles schief gelaufen sein wird.

Wenn sich ein Hundehalter dazu entschliesst, bereits vor der Ausbildungspflicht einige Lektionen zu buchen, wird er mit seinem Hund nach 6 Monaten an einem ganz anderen Ort stehen als jemand, der in Richtung Ausbildung noch gar nichts getan hat. Wer möchte dann noch 6 obligatorische Lektionen anhängen? Für mich ist das so unlogisch und nicht zu Ende gedacht.

Ich stelle mir gerade vor, wie wenig Lust ich hätte, mit meinem eigenen Junghund diesen obligatorischen 6-Lektionen-Kurs in einer zusammengewürfelten Gruppe zu besuchen. Vor allem, weil ich die obligatorischen Inhalte bis dahin schon lange abgehandelt hätte.

Der Transfer von der Theorie in die Praxis findet nicht isoliert voneinander statt
An dieser Stelle könnte man anführen, dass die kynologischen und lerntheoretischen Grundlagen zuerst in einem Theoriekurs vermittelt werden. So hat der Hundehalter bereits sehr viel Fachwissen in seinem Rucksack. Wie toll! Der Ersthundehalter weiss dann Bescheid über das Gegenkonditionieren, klassische und operante Konditionierung, Alternativverhalten, Problemverhalten, Verhaltensauffälligkeiten, Medical Training und vieles mehr. Und er kann dieses Wissen gleich im Praxiskurs anwenden oder noch besser: im Alltag umsetzen. Lernen geht bekanntlich über Nacht (Achtung Ironie!).

Wer eine Ausbildung in Erwachsenenbildung (SVEB) gemacht hat, reibt sich sowohl bei der Vorgabe der theoretischen wie auch bei der praktischen Ausbildung die Augen.

Professionalisierung im Hundetrainerberuf ade
Was mich fast noch mehr beschäftigt, ist die Tatsache, dass wir von einer Professionalisierung immer weiter wegrücken, respektive weggerückt werden. Es braucht in Zukunft keine Ausbildung mehr für Hundefachpersonen, um als Hundetrainer aktiv zu sein. Ich sage extra «Hunde»-Trainer. Um auch noch den Menschen einzubeziehen, müssten ein paar Kernkompetenzen in Andragogik und Psychologie ausgewiesen werden. Eine bestandene Theorie- und Praxisprüfung reicht gemäss neuem Hundegesetz völlig aus. Kein Diplom in Erwachsenenbildung, keine fundierte methodisch-didaktische Ausbildung, keine fundierte kynologische Ausbildung, nichts!

Und ja, der Markt wird sich regulieren. Fachkompetenz wird sich durchsetzen. Das wird dauern und bis dahin auf Kosten der Mensch-Hund-Teams gehen.

In diesem Sinne:

«Fachkompetenz geschieht nicht über Nacht, sondern in vielen Jahren Aus- und Weiterbildung

 

 

 

 

 

 

 

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