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Konstruktivismus oder: „Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt.“

Aufgewachsen mit Pippi Langstrumpf

Wer kennt dieses Zitat aus «Pippi Langstrumpf» nicht. Zumindest meine Generation ist mit diesem mutigen, selbstbestimmten Mädchen mit den roten Zöpfen und ihrem Schimmel «Kleiner Onkel» gross geworden. Oder in anderen Worten ausgedrückt: sozialisiert. Denn das trifft es fast noch besser.

Wirklichkeit ist immer subjektiv 

Pippi lebt nicht in einer Welt, wie sie ist, sondern in einer Welt, wie sie sie versteht. Und genau das ist der Kern konstruktivistischen Denkens.

Regeln auf dem Prüfstand 

Pippi Langstrumpf übernimmt gesellschaftliche Regeln nicht einfach so. Sie prüft diese nicht auf objektive Richtigkeit, sondern auf Sinnhaftigkeit und Passung in ihrer Wirklichkeit. Für Pippi ist die Schule kein Ort des Lernens, sondern ein Ort, der für sie in seinen Strukturen nicht passend war. Auch erwachsene Autorität ist für dieses mutige Mädchen kein Generationengesetz, sondern eine Option, die Pippi annimmt oder über die sie hinwegschaut.

Innere Stimmigkeit statt Anpassung  

Pippis Fragen lauten nie, ob eine Regel oder eine Begebenheit so ist, sondern ob dies für sie so funktioniert und sich stimmig anfühlt. Was ich an Pippis Lebenslogik so faszinierend finde, ist, dass sie in den meisten Situationen handlungsfähig bleibt. Sie verliert sich selbst nicht, bleibt emotional integer und behält ihre Freude. Wer kann schon von sich sagen, dass die eigenen Gefühle, Werte, Bedürfnisse und das eigene Verhalten meistens zusammenpassen?

Lernen ohne Lehrplan 

Obwohl Pippi keine Schule besucht, ist ihr Alltag voller Lernerfahrungen. Sie lässt sich von ihren Interessen leiten, gibt ihren Sinnen Raum, erkundet neue Gebiete und ist neugierig und offen für alles, was ihr begegnet.

Kommunikation als Bedeutungskonstruktion 

Pippi wird in der Erwachsenenwelt oft nicht verstanden. Das liegt jedoch weniger an ihr als an den Erwachsenen, weil diese Aussagen und Handlungen von Pippi aus ihrer eigenen Wirklichkeit heraus deuten. Pippi zeigt sehr schön auf, dass Kommunikation keine Übertragung ist, sondern eine Bedeutungskonstruktion.

Der Schwenk zu unseren Hunden 

Nun machen wir einen gedanklichen Schwenker zu unseren Hunden. Sie zeigen uns eindrücklich, was es heisst, innerhalb einer eigenen Wirklichkeitskonstruktion zu leben. Genau wie Pippi leben Hunde in einer Welt, wie sie sie verstehen. Sie handeln nicht nach gesellschaftlichen Regeln, sondern innerhalb ihrer artspezifischen Wahrnehmung, Erfahrung und Emotion. Wie Pippi prüfen auch unsere Hunde Situationen auf Sinn und Passung, jedoch nicht reflektierend, sondern erfahrungs und emotionsbasiert, und reagieren oder handeln dementsprechend.

Wenn unsere Wirklichkeit zur Norm wird 

Wenn ich mir anschaue, was wir von unseren Hunden dauernd verlangen und einfordern. Welche Regeln wir ihnen auferlegen und in welche Hundeschulsysteme wir sie pressen. Dann wird deutlich, wie sehr wir ihnen unsere Wahrnehmung der Welt überstülpen. Unsere Art zu denken, unsere Logik und sogar unsere Emotionen. Wir konstruieren für Hunde eine Wirklichkeit, die oft so gar nichts mit ihnen zu tun hat. Wir konstruieren sogar ihre Gedanken und Intentionen, indem wir behaupten, der Hund sei stur. Oder der Hund wolle mich ärgern. Oder der Hund teste meine Grenzen.

Ein Perspektivenwechsel ist angesagt  

Vielleicht geht es weniger darum, für den Hund eine menschliche Realität zu konstruieren.
Sondern vielmehr um die Bereitschaft, die eigene Wirklichkeit nicht zur einzig richtigen zu erklären.

In diesem Sinne:
 

«Beziehung beginnt dort, wo Verstehen wichtiger wird als Recht haben.»

 

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