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Schmerzen und Unwohlsein beim Hund rechtzeitig erkennen

Auch Hunde haben schlechte Tage

Genau wie du und ich hat auch dein Hund Tage, an denen er am liebsten in seinem Bettchen bleiben und sich die Decke bis über beide Ohren ziehen möchte. 

Im Gegensatz zu dir und mir kann dein Hund jedoch nicht selbst entscheiden, ob heute so ein gemütlicher Bett Tag ist. Spätestens dann, wenn du die Leine und das Halsband aus der Garderobe holst und dein Liebling nicht wie gewohnt voller Erwartung auf der Matte steht, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten.

Ganz ehrlich: In den seltensten Fällen ist er faul. Und noch seltener versucht er dich auszutricksen, um an ein Leckerli zu kommen.

Wann hattest du deinen letzten «Lass mich einfach in Ruhe Tag»?

Du erinnerst dich sicher an deinen letzten Tag, an dem alles zu viel war. Arbeiten gehen? Unvorstellbar. Du meldest dich krank, sinkst erleichtert in die Kissen und bist dankbar, wenn jemand dich versorgt.

Niemand würde ernsthaft behaupten, du simulierst nur, um Aufmerksamkeit oder ein Dessert zu bekommen.

Wenn ich dir in diesem Moment sagen würde: Stell dich nicht so an, nach einem Spaziergang mit ein paar eingebauten Beschäftigungen geht es dir besser, und dir dabei die Decke wegziehen würde, würdest du vermutlich unsere Freundschaft hinterfragen.

Simuliert ein Hund wirklich Schmerzen?

Vor zwei Jahren hatte ich starke Hüftschmerzen. Mein Gangbild war deutlich verändert. Wäre jemand auf die Idee gekommen, mir Simulitis zu unterstellen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Wohl kaum.

Wie kommt man dann darauf, einen hinkenden Hund zu verdächtigen, dass er nur, schauspielt, um Zuwendung oder eine Belohnung zu erhalten? Der Begriff sekundärer Krankheitsgewinn ist hier fehl am Platz.

Auch bei Hunden, die krankheitsbedingt weniger leisten können, höre ich immer wieder: Der ist heute einfach faul. Der hat keine Lust.

Schmerz und der Hormoncocktail

Wir alle sind Säugetiere. Wir alle verfügen über ein nahezu identisches Nervensystem mit vergleichbarer Schmerzverarbeitung. Natürlich gibt es Unterschiede in der Schmerztoleranz, bei Menschen wie bei Hunden.

Doch ein Jahr hat für unsere Vierbeiner genauso 365 Tage wie für uns. Warum sollte es also nicht auch bei ihnen Tage geben, an denen körperlich oder mental nicht alles rund läuft?

Manchmal wird argumentiert: Aber er ist doch eben noch dem Hasen hinterhergerannt.

Ja. Ein Cocktail aus Dopamin, Noradrenalin und Endorphinen kann Schmerz kurzfristig überdecken. Das kennen wir selbst. In der Erregung funktioniert vieles. Danach kommt oft die Rechnung. Wir bezahlen mit Schmerzen. Dein Hund übrigens auch.

Lerne deinen Hund wirklich kennen

Woran erkennst du, dass dein Hund einen schlechten Tag hat? Sicher nicht, indem er dich nach dem Fieberthermometer fragt.

Je besser du deinen Hund kennst, desto eher fallen dir Veränderungen auf. Du kennst sein normales Gangbild, seine Bewegungsfreude, seine Schlafplätze, seine Fressgewohnheiten, den Geruch von Fell, Ohren, Pfoten und Maul. Schau dir regelmässig die Zähne an. Du hörst, wenn der Bauch anders klingt oder seine Ausscheidungen anders ausschauen oder riechen. Du siehst, wenn der Blick trüber wird und das Gesicht Falten macht. Beobachte,  auf welcher Seite er präferiert liegt und schreib dir das auf. Macht ihm das Aufstehen oder sich hinlegen mehr Mühe? Knurrt er, wenn du ihn an bestimmten Stellen berührst oder bereits bei deiner Annäherung? 

Schreibe dir für dich eine Liste mit dem Titel Normalzustand. Je klarer du diesen kennst, desto schneller erkennst du Veränderungen. Mache Videos vom Gangbild deines Hundes, wenn es ihm gut geht. 

Verhalten ist immer auch ein Hinweis

Leider gibt es immer wieder lange Leidenswege von Hunden, bei denen am Verhalten herumtrainiert wird, während eine Schmerzsymptomatik übersehen wird. Wenn sich ein Verhalten verändert, hat es immer einen Grund und sehr oft einen körperlichen. 

Zeigt dein Hund eine plötzliche oder schleichende Verhaltensveränderung, gehört deshalb unbedingt vor jedes Training eine saubere medizinische Abklärung.

Ruhetage sind kein Luxus

Ob Bergwanderung, intensives Dummytraining oder mehrere Hundesporteinheiten an einem Wochenende. Warum gehen wir selbstverständlich davon aus, dass wir Muskelkater haben dürfen, unser Hund aber nicht?

Auch Hunde brauchen Pausen. Auch Hunde dürfen übersäuerte Muskeln haben. Auch Hunde haben mentale und körperliche Tiefpunkte.

Wir alle haben unsere Höhen und Tiefen. Dein Hund ebenfalls.


In diesem Sinne:

«Auch Hunde können schlechte Tage haben, lass uns achtsam bleiben und Sorge tragen.»

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