Hunde im Auto warten lassen vor der Hundeschule …
… es könnte so viel entspannter sein.
Neulich auf einem öffentlichen Parkplatz (Ähnlichkeiten sind rein zufällig, alle Beteiligten frei erfunden)
Die Teilnehmenden einer Hundeschule versammelten sich für ein Briefing vor der Lektion. Direkt bei den Autos mit den Hunden drin. Einige Hunde befanden sich bereits ausserhalb des Autos, andere warteten mehr oder wenig aufgeregt und bellend in ihren Hundeboxen. Ein Hund war bereits wieder ins Auto verfrachtet worden, weil er zu laut gewesen war und die ausführlichen Erläuterungen der Fachperson in seinem Gefiepe untergegangen waren.
Warten, das nicht mit Verhalten gefüllt wird, bedeutet Stress für den Hund
Dieses Warten vor dem Lektionsbeginn ist für viele Hunde mit viel Stress und Aufregung verbunden. Gerade für Welpen und Junghunde ist es eine sehr ungünstige Verknüpfung, wenn sie im Auto innerlich hochfahren, weil sie draussen Menschen reden hören, möglicherweise auch noch andere bellende Hunde.
Wie geht es dem Hundeschule-Hund?
Der sitzt in seiner Box, bellt und jault und muss warten, bis sein Mensch ihn endlich befreit. Das Briefing dauert und dauert. Die Hunde werden immer aufgeregter. Nach einer gefühlten Ewigkeit an Erklärungen werden die Hunde aus den Autos geholt. Die Hunde sind mittlerweile so aufgeregt, dass an ein ruhiges Aussteigen und einen Moment verweilen beim Auto nicht mehr zu denken ist.
Das Auto, die Fahrt und der Aufenthalt werden fehlverknüpft
Solche Fehlverknüpfungen sind denkbar ungünstig, wenn man weiterhin das Auto als angenehmes und entspanntes Transportmittel und auch als Ruheort für sich und seinen Hund nutzen möchte.
Wie wir wissen, findet Assozationslernen immer statt. Fährst du mit deinem Welpen einige Male in die Hundeschule und lässt deinen aufgeregten Hund im Auto warten, wird er das Auto nicht mehr mit Ruhe verbinden, sondern mit Stress. Passiert das öfter, werden mit Sicherheit bereits die Fahrt oder sogar die Vorbereitungen bis zur Fahrt mit Aufregung verbunden.
Noch ungeschickter, wenn die Fahrt zur Hundeschule im Welpen- und Junghundealter die einzigen Reise im Auto ist. Wir wissen alle, dass es bei Hunden eine Weile braucht, um von einem erregten Gemütszustand wieder in die Ruhe zu kommen. Und wenn es dann gleich los geht in der Hundestunde, ist von die «Erregung modulieren» keine Rede mehr, im Gegenteil.
Im Auto zur Ruhe kommen, wenn draussen viel los ist, ist eine Übung für Fortgeschrittene!
Wie soll dein Hund zur Ruhe kommen, wenn ausserhalb des Autos Menschen und Hunde reden und lachen, während er in seiner Box wartet?
Die Situation könnte sehr viel entspannter sein, wenn man das Setting etwas verändern würde.
Im Folgenden ein paar Ideen und Vorschläge, wie der Lektionsbeginn für alle Beteiligten angenehmer ablaufen könnte
Nimm für deinen Hund einen gefüllten Kong mit, den er in der Wartezeit ausschlecken kann. Vorausgesetzt, dass er gefüllte Kongs liebt. Gelingt ihm das nicht, ist der Stresslevel sowieso zu hoch und du musst dir darüber Gedanken machen, ob ein anderer Rahmen aktuell noch geeigneter wäre für euch.
Du kannst auch eine etwas längere Kausehne in die Box legen, damit sich dein Hund damit beschäftigen kann. Länger deshalb, damit er sie in der Aufregung nicht herunterschlingt. Bitte alles zuerst zu Hause in Ruhe ausprobieren.
Am besten parkierst du dein Auto nicht direkt neben einem anderen wartenden Hund, sondern lässt, wenn möglich, Parkfelder aus.
Mache im Alltag kurze, unspektakuläre Autofahrten zu einem ruhigen Spaziergebiet. Wenn die Temperaturen es zulassen, kannst du deinen Hund auch einfach mal mitnehmen für einen kurzen Einkauf, während er im Auto entspannt auf dich wartet, allenfalls auch wieder mit etwas zum Ausschlecken oder Kauen. Dann geht es wieder nach Hause.
Weise in deiner Hundeschule darauf hin, dass dein Hund noch nicht gewöhnt ist, länger im Auto zu warten und du deswegen bei ihm bleibst, bis das Briefing fertig ist. Sollte eigentlich Usus einer Hundeschule sein, das zu berücksichtigen.
Gehe vor der Hundeschule eine Viertelstunde ganz entspannt auf eine kleine Gassirunde. Nichts ist unangenehmer, als mit einer vollen Blase oder einem vollen Darm in einer Hundebox zu sitzen und zu warten.
Was auch sehr unterstützend sein kann, ist das Fenster mit Sicht auf die wartenden Menschen und Hunde mit einem Tuch blickdicht zu machen und das Radio laufen zu lassen.
Zudem hilft es immer, wenn du dir ausreichend Zeit einplanst und nicht in letzter Minute auf den Parkplatz rast und hektisch deine Vorbereitungen triffst.
Nun zu den Hinweisen für die Fachpersonen
Es macht definitiv Sinn zu überlegen, wie viele Inputs bei Welpen- und Junghunden vor der Lektion tatsächlich vonnöten sind. Es bringt oft mehr, die Theorie-Inhalte im Vorfeld kurz zusammenzufassen und als Mail oder Whatsapp zu schicken. Oder innerhalb der Lektion, wenn die Hunde schon etwas erlebt haben und sie mit einem Kauobjekt zufrieden auf ihrer Decke chillen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch sich konzentrieren kann, wenn sein Hund im Auto ständig am Winseln und Bellen ist. Da ist man mit den Gedanken doch beim Hund und hofft inbrünstig, dass die lange Rede endlich ein Ende hat.
Weiter denke daran, dass es zu dieser Jahreszeit im Auto heiss wird, wenn es ein paar Minuten steht. Zurück in ein bereits aufgewärmtes Auto zu müssen, macht keine positive Verknüpfung, was das Einsteigen betrifft.
Und ganz allgemein gilt es darüber nachzudenken, wie die Stresslast des einen oder anderen Hundes in einer Gruppe ist. Viel hilft nicht in jedem Fall viel, schon gar nicht bei Stress. Ausser das VIEL beinhaltet viel Management und viel Entspannung.
Der Unterricht beginnt bei den Überlegungen und Vorbereitungen
Wie entspannt ist der Hund im Auto? Wie unterstütze ich ihn dabei? Wie gechillt kann ein Hund bereits beim Auto zuwarten? Was braucht er als Hilfe? Was muss ich dementsprechend einpacken?
Wie ruhig gehen wir zusammen los?
Viel Aufregung überträgt sich auf die gesamte Gruppe. Müssen alle gleichzeitig starten oder kann es auch mal gestaffelt sein?
Macht das Gruppensetting für das eine oder andere Team bereits Sinn? Niemand fühlt sich gut, wenn der eigene Hund Radau macht, bellt und winselt. Die Stressachse ist dann nicht nur beim Hund aktiviert, sondern auch beim Mensch. Und wie wir ja alle mittlerweile wissen: Stress verhindert lernen.
In diesem Sinne:
«MEHR ist dann prima, wenn es mit WENIG gut klappt.»
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