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Guck mir in die Augen, Babe.

«Guck mir in die Augen, Babe.» Wenn es denn so einfach wäre.

Als Einstieg zwei Situationen, wie sie sehr oft im Alltag vorkommen: Zwei Hund-Mensch-Teams begegnen sich auf dem Spaziergang. Mindestens einer der Vierbeiner hängt sich bellend in die Leine. Der andere schafft es im Idealfall, ohne Gedönse locker am Gegenüber vorbeizukommen, während der andere Hund seinem Menschen den Arm in die Länge zieht.

Dann wiederum gibt es Mensch-Hund-Gespanne, die so etwas wie einen Plan haben und schon mal präventiv auf Distanz gehen. Ein Ansatz von Management ist ersichtlich. Ruhe herrscht in der Wiese draussen trotzdem nicht. Es ist sehr löblich, dass der Mensch nach einer Lösung sucht, um die Begegnung einigermassen gechillt zu bewältigen. Wieso es trotzdem nicht klappen kann?

Die gemachten Erfahrungen bestimmen das Verhalten
Lass uns doch gemeinsam schauen, was es braucht, um in Hundebegegnungen als Team erfolgreich zu sein. Natürlich hängt es immer von der Vorerfahrung ab, sowohl beim Menschen wie beim Hund.
Wenn der Hund sehr oft das Verhalten «In die Leine hängen und herumkläffen» praktiziert hat, ist das zu seiner Bewältigungsstrategie in Hundebegegnungen an der Leine geworden. Unter anderem, weil sich das Gegenüber dadurch einschüchtern lässt und im besten Fall auf Distanz geht.

Die Motivation bestimmt das Verhalten
Mehr Distanz zum Auslöser zu bekommen, ist meistens die zugrunde liegende Motivation des keifenden Hundes. Auch wenn der Mensch das oft anders interpretiert, im Sinne von: «Der möchte hin und Hallo sagen, dann ist gut.»
Du hast sicher auch schon gehört oder vielleicht sogar erlebt, dass es ohne Leine viel einfacher geht. Da gebe ich dir in gewissen Fällen sogar Recht. Wenn die Hunde denn könnten, wie sie wollten, würden sie auf keinen Fall schnurstracks in einer geraden Linie auf einen anderen Hund zugehen. Ausser, sie haben auch hier bereits die Lernerfahrung gemacht, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Oder sie flundern am Boden herum, um im letzten Moment dann loszustürmen.

Eine Strategie soll deeskalierend sein
Darüber schreibe ich gern ein anderes Mal. Mir geht es in diesem Beitrag vor allem darum, dem Mensch-Hund-Team bei zufälligen Begegnungen an der Leine eine Lösungsmöglichkeit an die Pfote zu geben. Sollten du und dein Hund zu denen gehören, die bei Hundebegegnungen draussen innerlich hochfahren, zu schwitzen beginnen oder nervös werden, kann ich dir Mut machen. Es gibt tolle Strategien, die ihr zusammen einüben könnt. Was ganz sicher nichts bringt, ist eine Situation immer auf dieselbe Art zu wiederholen, in der Hoffnung, dass es der Hund dann schon irgendwie lernen wird.

Zuerst die Situation entspannen, damit Veränderung stattfinden kann
Wenn du etwas verändern möchtest, ist die Voraussetzung, zuerst Entspannung rein zu bringen und anfangs der Konfrontation tatsächlich aus dem Weg zu gehen. Denn je öfter sich ein unerwünschtes Verhalten wiederholt, desto breiter wird die Lernautobahn im Gehirn. Und zwar sowohl bei dir wie auch bei deinem Hund.

Von Management über Gegenkonditionieren hin zu Alternativverhalten 
Der Weg zu einer entspannten Begegnung an der Leine schaut kurz gefasst so aus: Management, dann Management in Kombination mit Gegenkonditionieren und erst dann der Aufbau eines Alternativverhaltens.

Management
Ganz kurz erläutere ich dir die Begriffe: Management bedeutet, den auslösenden Reiz (also den anderen Hund) zu meiden, bevor dein Hund ihn entdeckt. Das schaut so aus in der Praxis, dass du den anderen Hund VOR deinem Hund wahrnimmst, ausreichend Distanz machst und dort zum Beispiel eine kleine Futtersuche ausstreust für deinen Hund. Oder ihm die Futtertube so hinhältst, dass er abgewandt vom anderen Hund schlecken kann. So ist dein Hund abgelenkt und der andere spaziert vorbei. Hilft übrigens auch dem anderen Hund, wenn dein Hund seinen Blick durchs Aufsammeln des Futters gesenkt hat und abgewendet in der Wiese steht. Das wirkt deeskalierend und ist das Gegenteil von Starren.

Gegenkonditionieren
Nun nehmen wir das Element Gegenkonditionieren dazu. Wie das Wort schon sagt, konditionieren wir etwas «gegen», das heisst, wir lösen eine bisherige Konditionierung auf und ersetzten sie durch eine andere. Oder anders formuliert: Wir ersetzen eine negative emotionale Gestimmtheit durch eine positive in einer bestimmten Situation. Das Zauberwort dabei ist auch hier: DISTANZ zum Auslöser. Das schaut in der Anwendung so aus: Dein Hund und du erblicken gleichzeitig einen auslösenden Reiz (in unserem Fall den anderen Hund) und im selben Moment kommt deine Futtertube zum Fang deines Hundes. Die Tube bleibt so lange am Fang, bis der andere Hund verschwunden ist. Dann geht auch gleich die Tube weg. Der Hund soll verknüpfen: Immer, wenn ein anderer Hund auftaucht, passiert etwas Supertolles.

Ich höre gerade deinen Einwand: Das habe ich probiert, funktioniert nicht, mein Hund nimmt dann keine Gudis oder schleckt nicht an der Tube. Genau, weil du zu nahe am Auslöser dran bist. Das ist dein Indikator für die innere Gestimmtheit deines Hundes. Vorausgesetzt natürlich, dass er normalerweise bei der Futtertube in die Pfoten klatscht und Gudis seine Leibspeise sind. Kurz: Gegenkonditionieren geht nur mit gleichzeitigem Management, also Distanzvergrösserung. Und das fehlt in neun von zehn Hundebegegnungen, die ich im Alltag beobachte.

Gegenkonditionieren geht nur gemeinsam mit Management
Zu Beginn kann es sogar sein, dass der Abstand sehr(!) gross sein muss. Klar, die Umgebung lässt nicht immer zu, dass du in des Bauern Wiese hüpfen kannst. In dem Fall machst du reines Management durch Umdrehen auf dem Weg und zurückgehen, bis du eine Ausweichmöglichkeit gefunden hast. Das lohnt sich allemal.

Erstes Alternativverhalten «Hingucken – Weggucken»
Nach der gefühlt fünfzigsten Wiederholung: Fremder Hund taucht auf – Marker – Futtertube an den Fang, hat dein Hund ziemlich sicher eine Erwartungshaltung aufgebaut. Nun wartest du eine, zwei Sekunden nach Sichten des Auslösers, dann markerst du, dann die Tube. Wenn dein Hund sich ruhig verhält, kannst du das Zeitfenster noch ein bisschen ausdehnen. Hund taucht auf, du wartest, dein Hund dreht seinen Kopf fragend in deine Richtung, weil er den Klick und seine Belohnung erwartet. Die folgt natürlich sofort und umittelbar. Dann nimmst du die Tube wieder weg, dein Hund schaut ruhig nach vorne, loben, der dreht den Kopf zu dir, Klick, tolle Belohnung. Merkst du etwas? Wir haben ein erstes Alternativverhalten eingefangen. Das Hinschauen und Wegschauen von einem auslösenden Reiz. Zu diesem Schritt gratuliere ich euch ganz herzlich.

Passende Alternativverhalten ausserhalb der Situation einüben
Jetzt kannst du auch ein anderes Alternativverhalten ausserhalb der Situation einüben, wie ein Sitzen, ein Handtarget oder auch das Gehen eines Bogens. Das Alternativverhalten soll so ausgewählt werden, dass es für den Hund in der Situation Sinn macht und er es zudem sehr gerne ausführt.

Der Titel des Blogs heisst: «Guck mir in die Augen, Babe.» Deinen Hund in einer für ihn schwierigen Situation wie eine sehr nahe Hundebegegnung aufzufordern, dir in die Augen zu schauen, kann schlicht und ergreifend nicht funktionieren. Das kommt einem totalen Kontrollverlust gleich. Das wäre in etwa so, wie wenn dich ein Gegenüber auffordert, Blickkontakt zu ihm zu halten, während sich dir ein Tiger in freier Wildbahn nähert. Da würdest du mit Sicherheit auch erst mal auf Distanz gehen. Zudem ist die Erregung in deinem Hund viel zu gross, als dass er auf eine Alternative überhaupt einsteigen könnte. Ein verbal eingeforderter Blickkontakt, womöglich noch mit einem Gudi in der Hand, das der Mensch dann zu seiner Stirn führt, um den Hund zum Hochgucken zu animieren, kann nicht zielführend sein.

Fang einfach mal mit Management an. Du wirst staunen, wie viel einfacher euer Alltag draussen sein wird. Und dann gehst du über zu Gegenkonditonieren, gefolgt von einem funktionalen Alternativverhalten. Gerne unterstützte ich euch dabei, dass Hundebegegnungen zu eurem persönlichen Highlight werden.

 In diesem Sinne:

«Lass entspannte Hundebegegnungen an der Leine zur Gewohnheit werden.»

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